MP3-Erfinder will Kino-Sound revolutionieren

- Ilmenau/Berlin - Erst hat er die Musikindustrie mit dem MP3-Format in den Grundfesten erschüttert, jetzt will Professor Karlheinz Brandenburg den Kino-Sound revolutionieren. Auf der diesjährigen Internationalen Funkausstellung (IFA) stellen die Forscher der Fraunhofer Arbeitsgruppe für Elektronische Medientechnologie ein neues System mit 192 Lautsprechern vor, das absolut realistische Geräuschkulissen in die Kinosäle zaubern soll.

<P>"Die Entwicklung ist wichtiger als der Übergang von Mono zu Stereo", sagt Brandenburg selbst. In Fachkreisen hat das Wort des 49- Jährigen Gewicht, schließlich erfand er das MP3-Verfahren, das ein zwölf Mal schnelleres Herunterladen von Musik und großen Datenmengen aus dem Internet ermöglicht als von unkomprimiertem Material und zur Standardsoftware für Musikpiraten geworden ist.</P><P>Durch die vielen Lautsprecher kann jede beliebe Form einer akustischen Wellenfront nachgebildet werden. "Egal, wo der Zuschauer sitzt, er hört die Dialoge und Effektgeräusche aus der richtigen Richtung und Entfernung", erklärt Wissenschaftlerin Sandra Brix. Klangfeldsynthese heißt das Projekt.</P><P>Um die Vorteile des Systems voll zu nutzen, müssen alle Quellen getrennt voneinander aufgenommen werden. "Stellt sich beim Abmischen im Studio heraus, dass die Sängerin an der falschen Stelle gestanden hat, kann die Schallquelle mühelos im Nachhinein verschoben werden", erklärt Brandenburg. Doch selbst bei herkömmlichen Filmen mit Dolby- Surround-Ton machen die Forscher eine Verbesserung aus.</P><P>Bislang können nur die Besucher von Saal 3 des Lindenlichtspiele- Kinos im südthüringischen Ilmenau in den Genuß der neuen Techonologie kommen. Mehrere Kinobetreiber - auch in Deutschland - seien ernsthaft interessiert, scheuten aber bislang die Investition von rund 100 000 Euro pro Kinosaal. Die Kinobetreiber leiden unter rückläufigen Besucherzahlen wegen der allgemeinen Konsumzurückhaltung und des wachsenden Angebots an illegal kopierten Filmen im Internet.</P><P>Das Prinzip geht auf die 1661 von dem niederländischen Mathematiker und Physiker Christian Huygens (1629-1695) entdeckte Wellentheorie zurück. Danach erzeugen nahe Geräusche eine stark gekrümmte Wellenfront, ähnlich eines kleinen Kreises. Je weiter sich hingegen die Wellenfront von ihrer Quelle entfernt, desto größer wird ihr Radius. Als erste nutzten Forscher der Universität Delft (Niederlande) Mitte der 1980er Jahre dieses Prinzip. "Lange Zeit galt die Technologie als nicht praxistauglich, weil zu viel Rechnerkapazität nötig war. Erst der Fortschritt der Mikroelektronik half uns zum Durchbruch", erläutert Brandenburg.</P><P>http://www.emt.iis.fraunhofer.de</P>

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