"Muße und Geld für Germanisten und Historiker"

- Exzellenz-Initiative, Interdisziplinarität, Bachelor-Studiengänge: Die aktuellen Schlagworte in der Hochschulpolitik befremden insbesondere Geisteswissenschaftler. Der Wissenschaftsrat hat sich nun mit diesen Fächern beschäftigt. "Allgemeines Krisengerede" sei fehl am Platze, die Forschungsleistung der Geisteswissenschaften in Deutschland liege im internationalen Vergleich "in vielen Gebieten auf höchstem Niveau". So weit der positive Befund, an den sich eine Reihe von Empfehlungen anschließt. Denn "konkrete Defizite" seien nicht zu übersehen.

"Es muss mehr Geld ins System"

Das offensichtlichste Problem: 45 Prozent der Studenten brechen ab - der Durchschnitt insgesamt liegt bei 26 Prozent. Ein Grund: In den Geisteswissenschaften unterrichtet ein Zehntel des gesamten Wissenschaftspersonals mit einem Zehntel der Mittel ein Viertel der Studenten. Diese miserable Betreuungssituation verschlechtert sich zunehmend. Peter Strohschneider, frisch gewählter Vorsitzender des Gremiums und Germanistik-Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität, fordert: "Es muss mehr Geld ins System."

Aber nicht nur das - auch Differenzierung zwischen Forschung und Lehre empfiehlt Strohschneider. So genannte "Lecturer" sollen die Professoren in der Lehre entlasten. Als Absage an das Humboldtsche Ideal soll das nicht verstanden werden: "Brilliante Leute müssen den Studenten zeigen, wie faszinierend Wissenschaft ist", so Strohschneider. Aber Forschung und Lehre müssten sich mehr in den Instituten als in den Personen vereinen.

Fakt ist außerdem, dass Historiker und Orientalisten nicht so leicht eine Stelle finden wie etwa Ingenieure. 73 Prozent der Geisteswissenschaftler haben zwar fünf Jahre nach Studien-Ende einen festen Job, aber bis dahin dauert es. Der Rat empfiehlt, im Studium mehr auf Überblick als auf Spezialistentum zu setzen - speziell auch in den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen. Schließlich sei die Schlüsselqualifikation von Geisteswissenschaftlern, "flexibel auf verschiedene Anforderungsprofile reagieren zu können", so Strohschneider.

Des Weiteren mahnt der Rat mehr Zeit fürs Studium an: Wer nach sechs Semestern seinen Bachelor ablegt, hatte kaum Zeit für Auslandsaufenthalte oder Spracherwerb. Statt Inter- rät das Gremium zur Innerdisziplinarität: Die für sich arbeitenden Geisteswissenschaftler sollen innerhalb der Fakultäten mehr miteinander kommunizieren.

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