Nach Eignungstest weniger Abbrecher

- Wer an einer Universität zu studieren beginnt, stellt hohe Erwartungen an das gewählte Fach und an sich selbst. Umso schlimmer ist es dann, wenn der Student merkt, dass die Anforderungen zu hoch sind und womöglich das Fach aufgegeben werden muss. Um das zu vermeiden, gibt es an der Technischen Universität München (TUM) seit dem Wintersemester 2000 das so genannte "Eignungsfeststellungverfahren" für Bachelor- und Masterstudiengänge.

<P>Weil sich die Abbrecherquoten seitdem rapide verringert haben, wird der Eignungstest jetzt auch auf drei Diplom-Studiengänge ausgeweitet. "Früher war man der Meinung, man müsste alle Studenten zulassen, die schlechten würden dann schon scheitern", sagt TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann.</P><P> "Ich halte das für verantwortungslos. Wir müssen uns um jeden Studenten individuell bemühen, um gute Nachwuchskräfte auszubilden."<BR><BR>Konkret heißt das: Wer Diplom-Chemie, -Mathematik oder -Informatik studieren möchte und eine Gesamtabiturnote hat, die schlechter ist als 2,0, dessen Studien-Motivation wird von der TUM geprüft. "Es geht uns dabei nicht um Fachwissen, sondern wir wollen von dem Bewerber überzeugend wissen, warum er ausgerechnet Bioinformatik oder Finanzmathematik studieren möchte", sagt der Präsident. Der Abiturient muss das deshalb auf zwei bis drei DINA4-Seiten schriftlichen begründen und wird dann, sollten die Professoren nicht zufrieden sein, nochmal zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. "Schüler, die die TU schon durch ,Abi plus' kannten, schneiden meist erfolgreicher ab", meint der Präsident. <BR><BR>Der Erfolg des Verfahrens gibt Herrmann Recht: In Biochemie beispielsweise sank die Abbrecherquote unter zehn Prozent, in anderen Studiengängen können Lehrinhalte des 3. Semester bereits im 1. Semester vermittelt werden. "Das Eignungsverfahren hilft nicht nur den Professoren, die dann vor hochmotivierten Studenten stehen", sagt Herrmann. "Sondern auch die Studenten selbst haben mehr Selbstbewusstsein und sind lerneifriger, weil sie wissen, die erste Hürde bereits genommen zu haben."<BR><BR>Wer in dem Verfahren scheiterte, braucht deshalb aber nicht den Kopf in den Sand zu stecken: "Wir beraten dann gemeinsam mit dem Studenten, welches Fach für ihn geeigneter wäre", sagt Herrmann.<BR><BR>Der Präsident ist fest davon überzeugt, dass das "Eignungsfeststellungverfahren" künftig überall in Deutschland angewandt werden wird: "Wie soll sich eine Universität insbesondere international behaupten können, wenn wir nicht in der Lage sind, uns jene Studenten zu holen, die gewisse Mindestvoraussetzungen erfüllen ? Weltweit ist so ein Eingungsverfahren ohnehin schon üblich." Allerdings fürchtet sich Herrmann vor der deutschen Bürokratie: "Ich hoffe, dass uns die Ministerien keine Steine in den Weg legen."</P><P> </P>

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