Online-Daten

Nach Tod: Was wird aus dem "digitalen Nachlass"?

München - Der Tod eines Angehörigen bringt neben Schock und Trauer auch viel organisatorischen Aufwand im Zusammenhang mit dem Erbe. Seit einigen Jahren gehört dazu verstärkt die Frage, wie es mit den Online-Aktivitäten des Verstorbenen aussieht.

Darf ich digitale Fotos und Dokumente des Toten anschauen?

Ja. Für digitale Besitztümer gilt zunächst das Gleiche wie für den Nachlass in der realen Welt. Der Erbe darf beispielsweise auf den Computer des Verstorbenen zugreifen und Speichermedien wie USB-Sticks auslesen. Hatte der Tote eine Homepage, gehört die nun den Hinterbliebenen.

Wie sieht es mit E-Mail-Konten aus?

Sofern der Erbe nicht die Zugangsdaten des Verstorbenen für das E-Mail-Konto kennt, wird es aufwändig. Die Betreiber der E-Mail-Dienste verlangen oft eine Sterbeurkunde oder einen Erbschein, bevor sie tätig werden. Zusätzliche Arbeit und Kosten können internationale Anbieter verursachen: Google fordert beispielsweise eine beglaubigte Übersetzung der Sterbeurkunde ins Englische. Nach Prüfung der Papiere löschen Firmen in einigen Fällen die Daten, in anderen kann der Erbe auf die E-Mail-Kommunikation zugreifen. Eine einheitliche Regelung gibt es nicht.

Was ist mit Verträgen, zum Beispiel offenen Geschäften bei Ebay?

Laufende Verträge gehen im Todesfall auf den Erben über. Das gilt fast immer auch für Internet-Geschäfte. Hat zum Beispiel der Tote kürzlich etwas bei Ebay verkauft, muss der Erbe sich um die Zustellung der Ware kümmern. Wurden Produkte bestellt, müssen sie bezahlt oder nach Möglichkeit die Bestellungen storniert werden. Experten raten Erben, im Todesfall möglichst schnell alle laufenden Verträge, kostenpflichtigen Mitgliedschaften und andere potenziell teuren Vereinbarungen zu identifizieren und zu kündigen.

Der Tote hatte eine Facebook-Seite - was soll ich damit machen?

Facebook bietet Hinterbliebenen die Möglichkeit, die Seite des Toten in einen "Gedenkzustand" zu versetzen. Diese bleibt zunächst unverändert. Abhängig von den Einstellungen, die der Nutzer vor seinem Tod vorgenommen hat, können Freunde Nachrichten in seiner Chronik hinterlassen. Die Hinterbliebenen können auch die Löschung des Facebook-Kontos veranlassen.

Kann ich etwas tun, um meiner Familie mit meinem künftigen digitalen Nachlass zu helfen?

Auf jeden Fall. Wer möchte, kann einem Angehörigen seine Zugangsdaten zu E-Mail-Konten und anderen Internet-Diensten verraten. Möglich ist es auch, die Daten bei einem Notar zu hinterlegen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass Passwörter regelmäßig geändert werden sollten und dann jeweils aktuell dem jeweiligen Ansprechpartner mitgeteilt werden müssen.

Im Testament kann festgelegt werden, ob nur einzelne Familienmitglieder Einblick in die eigenen Daten bekommen dürfen oder ob etwa bestimmte Internetkonten sofort gelöscht werden sollen, ohne dass jemand hineinsieht. Mit einer Vorsorgevollmacht kann festgelegt werden, was ein Verwandter oder Freund im Falle von Krankheit oder Tod mit den Daten machen kann und soll. Die Vollmacht erlaubt auch das Kündigen von Verträgen.

Bei einigen wenigen Internet-Diensten können Nutzer selbst Einstellungen für den Fall ihres Todes festlegen. Bei Google lässt sich bestimmen, was mit einem Nutzerkonto passiert, nachdem es eine bestimmte Anzahl von Monaten lang nicht genutzt wurde. Die Daten können dann gelöscht oder an eine ausgewählte Person übergeben werden.

Gibt es professionelle Hilfe?

Verschiedene Firmen bieten Services rund um den digitalen Nachlass an. Sie bewahren etwa Zugangsdaten auf oder analysieren nach dem Tod für die Hinterbliebenen den Computer. Das kostet allerdings Geld. Zudem ist Vorsicht angebracht, denn durch einen solchen Vertrag erhalten Fremde Zugriff auf persönliche Daten. Der Branchenverband Bitkom rät zu einer sehr genauen Prüfung der Angebote.

AFP

Rubriklistenbild: © dpa

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