Namenstag und Buchhaltertermin

- Silvester, wer denkt da schon zuerst an einen Heiligen? Sucht man nach den Wurzeln des Fests der Jahreswende, stößt man schnell auf ihn: Papst Silvester I. Er steht für eine entscheidende Wende in der Geschichte des Christentums. 313 wurde es unter Kaiser Konstantin zum ersten Mal per Edikt erlaubt. Silvester war der erste Papst der neuen Freiheit. Wir feiern also seinen Namenstag, wenn wir Sektkorken knallen lassen - könnten man meinen. Doch so einfach ist es nicht.

Der Hl. Silvester gilt als Beschützer der Haustiere

"An Silvester verbinden sich zwei zunächst getrennte Feste", erklärt Christoph Ohly, Wissenschaftlicher Assistent am Klaus-Mörsdorf-Studium für Kanonistik der LMU. An dem Datum fallen der kirchliche Gedenktag des Papstes und der "Buchhaltertermin" des Jahreswechsels zusammen, wie ein Brauchtumsforscher den Termin einmal bezeichnet habe.

"Darin lässt sich ein kulturell beeindruckendes Zeichen der Verbindung von kirchlichen Festtagen und Lebensrhythmus der Menschen sehen", sagt Ohly. Das zeige sich in den Aufgaben, die Silvester als Heiliger am Jahresende übernehme. "Die Menschen bitten ihn um Fürsprache", erklärt Ohly. Denn der heilige Silvester gilt als Patron für eine gute Ernte, für den Frieden und als Beschützer der Haustiere. Nach Ohly geht das auf eine Legende zurück. Sie berichtet, dass Silvester einen Stier, den ein Magier durch Beschwörungen getötet hatte, wieder zum Leben erweckte.

Der Namenstag des Heiligen Silvester ist sein Todesdatum. Er starb am 31. Dezember 335. Da der christliche Glaube den Todestag als ,Geburtstag zum Himmel’ versteht, wurde das ehrende Gedächtnis dieses Papstes an diesem Tag gefeiert, und dies wohl bereits seit 354, erklärt Ohly. Im 17. Jahrhundert, als man begann, den 31. Dezember als letzten Jahrestag zu feiern, übertrug sich der Name des Heiligen immer mehr auf jene Feierlichkeiten, die vom Alten zum Neuen Jahr führen.

Dieser "Buchhaltertermin" hat also keine religiösen Wurzeln. Sondern lediglich die "Aufgabe", den Abschluss eines Jahres und den Beginn eines neuen Jahres zu regeln. 46 vor Christus führte ihn Julius Cäsar laut Ohly bei seiner Julianischen Kalenderreform ein. Er löste damit den 1. März als Jahresbeginn ab, der 153 vor Christus festgelegt worden war. Unsere Monatsnamen, September (lateinisch. septem: sieben) und Dezember (lat. decem: zehn), geben noch die alten Monatsfolgen an. Mit der Gregorianischen Kalenderreform 1582 setzten sich der 31. Dezember und 1. Januar dann endgültig durch.

Doch auch als christlichen Feiertag kann man Jahreswechsel leben. "Die Silvesterstunden laden ein, für das, was war, zu danken, vielleicht für manches um Entschuldigung zu bitten, Vorsätze zu fassen und neuen Mut zu schöpfen", sagt Ohly. "Als Christ und Priester gewinnt meine Zukunftsplanung erst an Wert, wenn ich dies mit Vertrauen und Zuversicht tue, dass Gott mein Leben in der Hand hält."

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