Narkose-Ärzte planen Meldestelle für Zwischenfälle bei Betäubungen

- Nürnberg - Fachärzte wollen künftig mit einer Meldestelle für Behandlungspannen Narkosen noch sicherer machen. Dabei sollen Zwischenfälle in einer Internet-Datenbank erfasst und von einer Spezialisten-Kommission analysiert werden, teilte die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) am Donnerstag in Nürnberg mit.

<P>Die betroffenen Ärzte sollen Hinweise erhalten, wie sich Fehler künftig vermeiden ließen. Bei einem an diesem Freitag beginnenden viertägigen Kongress der Gesellschaft werden rund 5000 Fachleute in Nürnberg erwartet.<BR>"Oft sind es kleine Schritte, die später zur Katastrophe führen", sagte DGAI-Präsident Professor Claude Krier. </P><P>Bislang seien solche Fehler bei Narkosen erst bekannt geworden, wenn sich Staatsanwälte und Gerichte damit beschäftigten. "Da sich solche Prozesse oft über Jahre hinzogen, ist das ein viel zu langsames System", sagte Krier. Auch gehe es bei dem künftigen Meldesystem nicht um die Schuldfrage, sondern um die Verbesserung von Behandlungsmethoden.</P><P>Nach Angaben der DGAI kommt auf 100 000 Patienten ein Todesfall. "Dagegen liege die Chance, dass sich bei Vollnarkosen etwas falsch entwickelt, bei 45 bis 50 Prozent", erläuterte DGAI-Geschäftsführer Professor Jürgen Schüttler. Darunter falle beispielsweise der plötzliche Blutdruckabfall eines Patienten, der allerdings neben Behandlungsfehlern auch andere Gründe haben könne. Wie souverän ein Arzt damit umgehe, hänge von seiner Erfahrung ab, wie Untersuchungen ergeben hätten.</P><P>Deswegen erhalte die Übung von Krisensituationen an Simulatoren wachsende Bedeutung. An künstlichen Patienten ließen sich - ähnlich wie bei Flugzeug-Simulatoren - alle kritischen Situationen während einer Operation nachahmen. Inzwischen verfügten alle deutschen Lehrstühle für Narkosemedizin über einen solchen Patienten-Simulator. Von diesem Sommersemester an könnten dort alle Nachwuchsmediziner den Umgang mit Komplikationen üben, erläuterte Krier. So genannte Patienten-Simulatoren gibt es bereits seit 1995. </P>

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