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Ein Paradies für Serien-Junkies? Seit Dienstag können auch deutsche Kunden Netflix nutzen.

Filme und Serien streamen

Netflix & Co.: So funktionieren Video-Dienste

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München - Netflix startete am Dienstag das Streaming-Angebot in Deutschland: Die US-Firma bietet eine Art Online-Videothek an und will so die klassischen TV-Sender ersetzen. Hier die wichtigsten Fakten.

Update vom 9. März: Deutsche Netflix-Kunden müssen zwar noch ein bisschen warten, denn die dritte Staffel von "House of Cards" ist erst einmal auf Sky gestartet. Um die Wartezeit auf die preisgekrönte Serie zu verkürzen, verraten wir Ihnen, was Frank Underwood treibt - aber Vorsicht: Spoiler!

Update vom 11. Februar: Netflix bietet einen neuen Top-Titel für Serienfans. "Better Call Saul", ein Ableger (Spin-off) der Hitserie "Breaking Bad". Wir verraten Ihnen, warum "Better Call Saul" (fast) so gut ist wie "Breaking Bad".

Netflix & Co.: So funktionieren Video-Dienste

Der Werbewirbel ist groß, die Erwartungen bei vielen Internetnutzern noch größer: Seit Dienstag können auch deutsche Kunden Netflix nutzen – und damit im Internet US-Serien wie „House of Cards“ ansehen, ebenso „Stromberg“ oder den Film „Keinohrhasen“. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Netflix-Start.

Was ist Neflix?

Netflix ist ein amerikanischer Internet-Dienst, bei dem man sich Filme und Serien direkt im Internet ansehen kann. Man könnte auch sagen: eine Art Online-Videothek, auf die Nutzer zum Pauschaltarif jederzeit zugreifen können. „Video-on-Demand“ heißt das (etwa „Video auf Abruf“). Es gibt in Deutschland bereits ähnliche Anbieter: „Watchever“ „Maxdome“, „Snap“ und andere (siehe unten).

Wie kann man Netflix und Co. nutzen?

Die Filme und Serien werden per „Streaming“ aufs eigene Endgerät (Fernseher, Tablet, Smartphone usw.) übertragen. Das bedeutet, dass die Daten nicht erst heruntergeladen und gespeichert, sondern während des Ansehens laufend geladen werden. Bei einem Spielfilm kommen da schnell gewaltige Datenmengen zusammen. Wer ohne Ruckelbilder und Wartezeiten schauen möchte, braucht deshalb eine schnelle Internet-Verbindung. Für Kenner: Für Filme in Standardqualität reicht eine Geschwindigkeit von zwei Megabit pro Sekunde, für hoch auflösende Filme (HD-Filme) sind – neben einem HD-fähigen Bildschirm – 6 bis 16 Megabit nötig.

Welche Vorteile haben Online-Videotheken?

Die Online-Videotheken machen den Zuschauer unabhängig vom Programm der klassischen Fernsehsender. Wer bislang seine Lieblingsserie anschauen wollte, musste immer am selben Wochentag zu einer bestimmten Uhrzeit vor dem Fernseher sitzen – oder sich die DVDs kaufen. Die Nutzer von Netflix und ähnlichen Internet-Diensten können ihre Sendungen zu dem Zeitpunkt und an dem Ort anschauen, der ihnen am besten passt. Nicht einmal vor dem Fernseher müssen sie sitzen – wenn sie ein mobiles Endgerät nutzen. Und wer nach einer Folge der Lieblingsserie Lust auf noch eine Episode hat, kann beliebig viele hintereinander anschauen.

Und welche Nachteile gibt es bei Netflix und Co.?

Zum einen die Kosten: Wer übers Internet Filme und Serien schauen möchte, muss zusätzlich zur Rundfunkgebühr für die öffentlich-rechtlichen Sender und den Kosten für den Internetanschluss auch noch für Netflix oder einen Konkurrenten bezahlen. Kostenlos gibt es im Internet keine Filme und Serien – zumindest nicht auf legalem Weg. Ein weiterer Nachteil ist, dass kein Anbieter all das zeigt, was man vom klassischen Fernsehprogramm gewöhnt ist: Wer auf Sportereignisse oder Shows nicht verzichten will, muss auch künftig auf klassische Sender setzen. Auch Nachrichten senden Netflix und Co. nicht. Ein Komplettpaket mit allen Filmen und Serien gibt es auch nicht: Jede Online-Videothek zeigt nur die Inhalte, für die sie die Rechte gekauft hat. Das bedeutet, dass eine neue Lieblingsserie beim Konkurrenten der abonnierten Online-Videothek erscheinen kann. Dann muss man ein anderes oder zusätzliches Abo abschließen – oder auf die Serie verzichten.

Welche Alternativen gibt es zu Netflix?

Den deutschen Markt dominiert bislang „Maxdome“, das zu ProSiebenSat.1 gehört. Der französische Konzern Vivendi betreibt in Deutschland den Dienst „Watchever“. Auch der Internethändler Amazon („Prime Instant Video“) und der Bezahlsender Sky („Snap“) haben Internet-Videodienste. Sie funktionieren ähnlich wie Netflix, unterscheiden sich vor allem durch ihr Programm und das Bezahlmodell: Einige Anbieter setzen auf eine Pauschalgebühr, gegen die man beliebig viele Filme und Serien aus dem Programm anschauen kann. Bei anderen kann man auch einzelne neue Filme gegen zusätzliche Gebühren herunterladen. „iTunes“ von Apple bietet keine Flatrate an, dort kann man nur einzelne Filme oder Serien kaufen.

Was kostet ein Netflix-Abo?

Der Netflix-Start in Deutschland hat einen Preiskampf ausgelöst. Netflix kostet wie Maxdome 7,99 Euro pro Monat. Wer die Dienste auf mehreren Geräten gleichzeitig nutzen will – zum Beispiel die Eltern am Fernseher und die Kinder am Computer –, zahlt mehr. Snap von Sky gibt es schon ab 3,99 Euro – wer auf mehreren Geräten gleichzeitig schauen will, zahlt 6,99 Euro. Watchever verlangt 8,99 Euro. Diese Abos lassen sich monatlich kündigen. Bei Amazon kann der Kunde eine Jahresmitgliedschaft für 49 Euro abschließen. Bei Netflix will man sich auf eine Preisschlacht nicht einlassen. „Wir haben ein gutes Gefühl bei unseren Preisen und werden sie in nächster Zeit nicht ändern“, sagt Europa-Chef Joris Evers.

Welches Gerät brauche ich für Netflix?

Netflix läuft auf fast allen Geräte, die sich mit dem Internet verbinden lassen – vom PC über Tablet-Computer, Handys bis hin zu den zwei neuesten Spielekonsolen-Generationen von Microsoft, Sony und Nintendo. Außerdem kooperiert das Unternehmen zum Start mit der Deutschen Telekom, in den kommenden Wochen soll der Dienst auf allen Entertain-Set-Top-Boxen verfügbar sein. Im Zweifel auf den Internetseiten der Anbieter nachsehen.

Kann man Netflix-Inhalte auf dem Fernseher schauen?

Ja, auf modernen schon. Der einfachste Weg ist, ihn über ein Kabel mit einem Computer zu verbinden. Man kann den Fernseher auch drahtlos internetfähig machen: Google bietet ein kleines Gerät an, den Chromecast (35 Euro). Das Gerät wird am Fernseher eingesteckt und empfängt die Daten der Online-Videotheken über das drahtlose W-Lan-Netz. Netflix, Watchever und Maxdome bieten diese Technik an. Die Einrichtung ist kompliziert. Manche neuen Fernseher, sogenannte Smart-TVs, lassen sich auch direkt mit dem Internet und damit den Videotheken verbinden.

Welche Filme und Serien zeigt Netflix?

Netflix ist in den USA vor allem für seine selbst produzierten, von Kritikern hochgelobten Serien bekannt: außer „House of Cards“ mit Kevin Spacey auch „Orange Is The New Black“ über den Alltag in einem Frauengefängnis. Beide Serien sind jetzt auch in Deutschland zu sehen. Auch viele andere amerikanische Serien und Filme sind im Programm. Zum Start kann man sich zum Beispiel „Inception“ oder „Hangover“ anschauen. Fast alle Online-Videotheken bieten Kindersendungen an.

Gibt’s bei Netflix auch deutsche Serien?

Ja. Netflix zeigt auch „Stromberg“, „Pastewka“ und „Der Tatortreiniger“. Unter den Spielfilmen findet sich Til Schweigers „Keinohrhasen“.

Wird Netflix deutsche Serien produzieren?

„Es gibt noch keine konkreten Pläne“, sagt Evers. Man wolle erst einmal abwarten, was die Deutschen gern anschauen. „Außerdem haben wir gerade begonnen, in den USA die deutsche Serie ,Unsere Mütter, unsere Väter‘ zu zeigen und werden feststellen, ob Zuschauer außerhalb von Deutschland deutsches Fernsehen mögen“, sagt er. „Dann können wir entscheiden, ob und wie wir eine deutsche Serie produzieren.“

Was zeigen die anderen Anbieter?

Welche Serien und Filme angeboten werden, hängt von den Verträgen mit den Hollywood-Studios ab, die die Inhalte herstellen. Für die ebenfalls hochgelobten Serien des amerikanischen Bezahlsenders HBO („Game of Thrones“) hat sich etwa Sky für seine Online-Videothek die Deutschlandrechte gesichert.

Was passiert mit meinen Daten?

Online-Videotheken analysieren, was ihre Nutzer anschauen. So können sie passgenaue Inhalte entwickeln und ihnen andere Filme und Serien vorschlagen, die zu ihrem Geschmack passen. Natürlich wären diese Daten auch für andere Unternehmen wertvoll. Netflix-Gründer Reed Hastings versichert: „Wir verkaufen keine Werbung und keine Daten der Nutzer an Anzeigen-Netzwerke. Wir nutzen die Informationen nur dazu, die Empfehlungen zu personalisieren.“

Vom Start-up zum Sender-Schreck: Wie Netflix die Welt erobert

Damals, im Frühjahr 2000, hätte alles auch ganz anders laufen können. Reed Hastings, zu jener Zeit 36 Jahre alt, Gründer und Chef des Start-up-Unternehmens Netflix, flog nach Dallas, um mit dem Chef der Videotheken-Kette Blockbuster zu verhandeln. Blockbuster mit seinen 7700 Videotheken weltweit war ein Gigant der Unterhaltungsindustrie. Netflix hatte gerade einmal 300.000 Abonnenten, die eine monatliche Pauschale zahlten und dafür so viele DVDs ausleihen konnten, wie sie wollten. Die Filme kamen per Post in roten Netflix-Umschlägen zum Kunden nach Hause.

Doch Hastings ahnte, dass die Zukunft im Internet liegt und es viel bequemer wäre, die Filme einfach per Daten-Streaming zu übertragen. Aber er hatte ein Problem: Dem jungen Unternehmen fehlte das Geld. Deshalb bot er Blockbuster eine Partnerschaft an: 49 Prozent der Unternehmensanteile, dafür würde Netflix der Online-Ableger von Blockbuster. Doch der Gigant lehnte ab.

Heute, 14 Jahre später, ist Blockbuster längst pleite und Netflix ein börsennotiertes Schwergewicht der Unterhaltungsindustrie. Fast 50 Millionen Menschen haben bereits ein Netflix-Abo – und die Zahlen steigen weiterhin rasant (Grafik). In großen Teilen der Welt bietet Netflix seinen Dienst noch gar nicht an, erst gestern startete er in Deutschland. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Netflix einen Umsatz von knapp 4,4 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro) und einen Gewinn von mehr als 112 Millionen Dollar.

Auch für Deutschland hat Netflix große Ziele: „Langfristig hoffen wir, dass jeder Breitband-Internetnutzer unser Kunde wird“, sagte Europa-Chef Joris Evers unserer Zeitung. „Vielleicht ist das keine realistische Erwartung, aber in den USA ist es uns gelungen, in nur sieben Jahren seit unserem Start ein Drittel aller Breitband-Internetnutzer als Kunden zu gewinnen.“ Das sind 36 Millionen Abonnenten. „Wenn uns ähnliches in Deutschland gelänge, wären wir sehr zufrieden.“

Als Konkurrenz sieht Netflix nicht nur klassische Fernsehsender, sondern auch alle anderen Aktivitäten, mit denen die potenziellen Kunden ihre Freizeit verbringen. Grundsätzlich sei im Markt der Online-Videotheken Platz für viele Wettbewerber, glaubt Evers: „Es wird auch im Internet viele Sender geben, die um die Aufmerksamkeit der Zuschauer werben.“ Vor allem die angebotenen Filme und Serien sollen in Zukunft den Unterschied machen.

Nur für das herkömmliche Fernsehen sieht Netflix – ganz selbstbewusst – schwere Zeiten aufziehen. „Wir glauben, dass Internet-Fernsehen das klassische lineare Fernsehen ersetzen wird“, sagt Evers. „Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird – vielleicht zehn oder zwanzig Jahre –, aber das traditionelle Modell, eine Sendung zu einer bestimmten Zeit auf einem bestimmten Gerät anschauen zu müssen, ist überholt und wird schlussendlich verschwinden.“

Philipp Vetter

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