Neue Dünndarm-Bilder

- Mit einem neuen Untersuchungsgerät, dem "Doppel-Ballon-Enteroskop", können deutsche Magen-Darm-Spezialisten jetzt erstmals auch den gesamten Dünndarm spiegeln. Bisher werden Speiseröhre, Magen, Zwölffingerdarm und die vordersten Dünndarmabschnitte durch die so genannte Magenspiegelung erfasst, bei der ein dünner Schlauch geschluckt wird.

<P>Der gesamte Dickdarm und einige Zentimeter des Dünndarms dagegen werden mit der Darmspiegelung (Koloskopie) untersucht. <BR><BR>Problematisch für die Suche nach Blutungen, Tumoren oder chronischen Darmentzündungen ist jedoch der rund sechs Meter lange Dünndarm, weil er nur bruchstückweise eingesehen werden kann. <BR><BR>Seit zwei Jahren gibt es nun die 1,5 Zentimeter große Funkkapsel, die Bilder aus dem Dünndarm sendet und damit erstmals das gesamte Dünndarmorgan abbildet. <BR><BR>Hilfreich ist die "Funkkapsel" zum Aufspüren von Tumoren oder zur Lokalisation von Blutungen im Dünndarm. Jedoch ist es mit der Kapsel nicht möglich, Blutungen zu stillen oder verdächtiges Gewebe zu entnehmen. Bei bestimmten Fragestellungen im Dünndarm kann die Kapsel zudem nicht eingesetzt werden, da die Gefahr eines Darmverschlusses durch die Kapsel besteht. <BR><BR>Highlight auf dem diesjährigen Internistenkongress in Wiesbaden war die so genannte "Doppel-Ballon-Enteroskopie", die es erstmals erlaubt, den gesamten Dünndarm unter Sicht mit einem "Spezial-Darmspiegel" zu untersuchen. Eine Wiesbadener Klinik präsentierte dort ihre Ein-Jahres-Studienerfahrungen mit der neunen Methode. Über dünne Arbeitskanäle im Schlauch des innovativen Gerätes können mit Zusatzsonden etwa Gewebe entnommen oder Blutungen gestillt werden. <BR><BR>Das Prinzip der neuen Methode beruht darauf, den rund sechs Meter langen Dünndarm durch Vorschieben und Zurückziehen zweier aufblasbarer Ballons ziehharmonikaartig auf den Darmspiegel "aufzufädeln", und so stückweise den ganzen Dünndarm zu untersuchen. Der Dünndarm wird hierzu je nach der Anatomie des Patienten vom Dickdarm aus oder vom Magen aus mit dem Spezialgerät untersucht.<BR><BR> Der Endoskopiker Professor Christian Ell führte an den Dr. Horst Schmidt-Kliniken in Wiesbaden vom März 2003 bis zum Mai 2004 insgesamt 96 Untersuchungen mit der neuen Methode bei 51 Patienten durch, bei denen Dünndarmerkrankungen vermutet wurden.<BR><BR>Bei 39 der 51 Patienten erfolgte daraufhin eine gezielte Therapie. Einige der entdeckten Blutungen wurden über das Gerät ohne Operation verödet, Polypen im Dünndarm konnten entfernt werden oder es wurde eine Operation beschlossen. <BR><BR>Die mittlere Untersuchungszeit lag bei rund 75 Minuten, die Patienten erhielten für die Untersuchungszeit eine "Schlafspritze". <BR><BR>Das rund 50 000 Euro teure Gerät wurde zunächst in Amsterdam, Paris, Rom und Wiesbaden erprobt. Der klinische Stellenwert der Methode soll zukünftig in großen Zentren weiter in Studien überprüft werden. <BR>Die "Funkkapsel" gilt jedoch weiterhin als der diagnostische Standard zur Dünndarmdiagnostik und ist in Deutschland bereits an vielen Standorten verfügbar. Ell bezeichnete die Doppelballon-Enteroskopie als "komplementäre Methode" zur Funkkapsel. Fazit auf dem Wiesbadener Kongress: Eine "hoch experimentelle, aber viel versprechende, neue Methode". <BR></P>

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