Neue Endungen für Webadressen

Paris/Hamburg - Es ist eine kleine Revolution im Internet: Künftig können Web-Adressen frei gewählte Endungen bekommen. Neben den bisher üblichen Domain-Namen ".de" oder ".com" kann es künftig auch Endungen wie Städte- oder Firmen-Namen geben, zum Beispiel ".berlin". Das entschied die Internet-Verwaltung ICANN bei Beratungen in Paris am Donnerstagabend.

Wer eine eigene Endung haben will, muss dafür allerdings tief in die Tasche greifen. ICANN-Offizielle schätzen laut einem Bericht des "Wall Street Journal", dass die Organisation Preise "irgendwo zwischen 100 000 und 500 000 Dollar" verlangen muss, um die Kosten zu decken. Eine Top Level Domain für die eigene Familie wäre damit praktisch unmöglich.

Die IT-Branche sieht die Ausweitung positiv. "Damit wird das Internet noch flexibler und vielseitiger", sagte BITKOM-Präsident August-Wilhelm Scheer in Berlin. Vor allem bei regionalen Endungen sei ein Boom zu erwarten, sagte Andreas Maurer, Sprecher des Webhosters 1&1 in Montabaur. Eine große Nachfrage erwartet Maurer auch bei Domains, bei denen "ein gemeinsames Thema dahintersteht" - zum Beispiel ".cars" für Autos oder ".news" für Nachrichten-Portale.

Hintergrund der Freigabe war die Sorge, das nach dem bisherigen System in den kommenden fünf Jahren die Adressnamen hätten knapp werden können. Im vergangenen Jahr sollen nur noch 17 Prozent der ursprünglich vorhandenen vier Milliarden Adressen verfügbar gewesen sein.

Derzeit besteht das Domainnamen-System hauptsächlich aus Länderkennungen wie ".de" für Deutschland sowie einer Reihe allgemeiner Endungen, die bestimmte Kategorien abdecken sollen. So ist ".com" kommerziellen Unternehmen, ".org" nicht-kommerziellen Organisationen vorbehalten. Diese Bindung ist allerdings mittlerweile aufgehoben worden.

Bis erste Websites mit Endungen wie ".berlin" oder ".ebay" online sind, dürfte nach Experteneinschätzung aber deutlich mehr als ein Jahr vergehen. Zunächst müssen interessierte Städte, Regionen oder Unternehmen bei ICANN die gewünschte Top Level Domain (TLD) beantragen. Dies wird nach BITKOM-Einschätzung frühestens im zweiten Quartal 2009 möglich sein. Anschließend sei außerdem ein erheblicher organisatorischer und technischer Aufwand notwendig. "Im besten Fall gibt es im vierten Quartal 2009 Domains etwa mit ".berlin"", sagte BITKOM-Sprecher Christian Spahr.

Die Öffnung birgt auch Konfliktpotenzial. So könnten Spekulanten versuchen, potenziell wertvolle Domains zu reservieren und später teuer zu verkaufen. Zudem dürften Endungen wie ".sport" das Interesse vieler Unternehmen auf sich ziehen. ICANN hat Regeln für eine unabhängige Vergabe der Top Level Domains entwickelt. Dieses Verfahren soll nach BITKOM-Angaben auch bei der Vergabe der ".berlin"-Domains zur Anwendung kommen. Dabei sollen beispielsweise Firmen ein Vorrecht auf Adressen mit ihrem eigenen Namen oder ihren Marken haben.

ICANN beschloss überdies, Endungen in anderen Schriften als der lateinischen zu erlauben. Künftig sind Top Level Domains zum Beispiel mit kyrillischen oder chinesischen Zeichen möglich. Vor allem Russland hatte in den vergangenen Wochen auf eine Erweiterung gedrängt.

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