Neue Geldquellen für die Freiheit der Hochschulen TU will auch mehr Studenten auswählen und fördern

- In Zukunft werden sich alle Hochschulen mangels staatlicher Zuwendungen verstärkt nach anderen Geldquellen umsehen müssen. Als erste Universität in Deutschland hat die Technische Universität München (TUM) bereits seit vier Jahren erfolgreich private Geldgeber angezapft und mit Hilfe des sogenannten Fundraisings auch eine neue Fakultät ins Leben gerufen.

<P>Die im Oktober 2002 gegründete wirtschaftswissenschaftliche Fakultät wäre ohne die privaten Gelder nicht entstanden. Größter Einzelspender hierfür war Theo Schöller, Vorsitzender des Vorstandes der Schöller-Stiftungen in Nürnberg. Derzeit lehren 26 Professoren - 30 sind geplant - an dieser Fakultät. Aus 700 Bewerbern wurden die besten 170 Studienanfänger ausgewählt.</P><P>"Die Mittel geben uns mehr Freiheit", sagt Wolfgang A. Herrmann, Präsident der TUM. "Alle unsere Prognosen wurden beim Fundraisingübertroffen", so Herrmann. Seit 1999 habe die Hochschule 85 Millionen Euro unter Vertrag, 15 Millionen Euro seien ihr schon zugeflossen. </P><P>Das sind ganz erhebliche Summen, betrachtet man den Etat der TUM: 500 Millionen Euro erhält sie im Jahr vom Freistaat Bayern, weitere 250 Millionen stammen aus Forschungs-Drittmitteln.</P><P>"Durch das Fundraising waren wir ermutigt, ein Alumni-Netzwerk aufzubauen", so Herrmann weiter. Die Hochschule wolle die emotionale Nähe, die der Absolvent zu seiner Alma Mater hat, für sich nutzen. "Mit zunehmender Berufserfahrung sind die ehemaligen Studenten wertvolle Partner der Universität." 11 000 ehemalige TU-Studenten habe man - trotz aller datenschutzrechtlichen Widrigkeiten - bereits erfasst. Auf dem Alumni-Forum im vergangenen November waren 20 000 Leute anwesend. </P><P>Vor allem die privaten Mittel, die von einem gemeinnützigen Verein verwaltet werden, geben der Universität mehr Freiheit zu disponieren, wie jeder Euro zu verwenden ist - außerhalb der engen staatlichen Reglements. "Unser größtes Problem sind die unbeweglichen Strukturen, nicht die Höhe des Geldhaufens", sagt Herrmann. Als Beispiel nennt er die Berufung von Professoren. "Es geht schon damit los, dass Sie das nur tun können, wenn eine Planstelle frei ist", sagt der TU-Präsident, der sich wünschte, wie ein Unternehmer handeln zu können.</P><P>Jetzt geht alles - von der Stellenausschreibung bis zum Berufsvorschlag - erst einmal ans Ministerium. Besser sei es, meint der Chef der TUM, wenn die Universität einen Entwicklungsplan für drei Jahre erstelle und dann, nach Genehmigung, eigenverantwortlich ihr Tagesgeschäft erledige.</P><P>"Die Hochschule der Zukunft muss sich auch ihre Studenten selbst aussuchen können. Und dazu gehört auch eine Kostenbeteiligung", ist Herrmann überzeugt. Zumindest für ein teures Elitefach, wie etwa Chemie, sollten deshalb Gebühren möglich sein: "Ich bin überzeugt, dass die Hochleistungsstudiengänge aus staatlichen Mitteln künftig nicht mehr finanzierbar sein werden", so Herrmann, und er fügt hinzu: "Kindergartenplätze kosten etwas, das Studium nichts, das ist nicht gerecht." Für kluge Köpfe, die sich das Studium nicht leisten können, müssten jedoch Darlehen oder Stipendien zur Verfügung stehen. Erforderlich sei daher sei ein Auswahlverfahren für die Suche nach den geeigneten Studenten, die entsprechend gefördert werden sollten. </P><P>Der Staat müsse aber nach wie vor den Großteil der Universitäten finanzieren. Dazu kämen dann die selbst akquirierten Mittel. "Es ist enorm viel Geld im Land." Es komme nur darauf, dass man Ziele hat und sie begründet.<BR></P>

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