Neue Mittel gegen Morbus Bechterew

- Es beginnt mit einem Schmerz, der tief im Rücken sitzt und einem Gefühl von Steifheit am Morgen. Krankheitsschübe, meist verbunden mit starken Schmerzen, Abgeschlagenheit und eingeschränkte Beweglichkeit wechseln mit Phasen relativer Beschwerdefreiheit. Im Laufe vieler Jahre verknöchern Wirbelsäule und Gelenke und werden allmählich steif. Ist der Brustkorb betroffen, kommt es zu Atemproblemen.

<P>Die Krankheit heißt Morbus Bechterew, eine rheumatische Erkrankung, die oft Jugendliche trifft. In Deutschland erkrankt einer von 100 Menschen, Männer viermal häufiger als Frauen. "Bisher konnten wir 30 bis 70 Prozent der Patienten kaum helfen", sagt Martin Rudwaleit, Rheumatologe am Berliner Uniklinikum Benjamin-Franklin.</P><P>Medikamente wie Methotrexat, die den Krankheitsverlauf bei Arthrose verlangsamen könnten, wirkten bei Morbus Bechterew nicht. Rudwaleit und seine Kollegen haben nun eine biologische Morbus-Bechterew-Therapie entwickelt. </P><P>Eine neue Klasse von Rheuma-Medikamenten greift auf natürlichem Wege in die Kommunikation der Zellen des Immunsystems ein. Solche Arzneimittel, meist gentechnisch hergestellt und mit körpereigenen Biomolekülen weitgehend identisch, wurden auf dem 31. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie in Berlin diskutiert. </P><P> Eine wesentliche Rolle bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen spielen Botenstoffe des Immunsystems, die "Zytokine". Einige von ihnen wirken entzündungsfördernd. Produzieren die Immunzellen ständig zu viele der Botenstoffe, schädigt die Entzündung dauerhaft gesundes Gewebe. Damit die Zytokine ihre Botschaft überbringen können, müssen sie an Rezeptoren der Zielzelle andocken.</P><P>Und daran werden sie von neuen Biologika gehindert: In Berlin wurden Morbus Bechterew-Kranke, bei denen etablierte Therapien fehlschlugen, mit den neuen biologischen Medikamenten "Enbrel" (Wirkstoff: Ethanercept) oder "Remicade" (Wirkstoff: Infliximab) behandelt. Enbrel fängt das Zytokin ab, bevor es an seiner Zielzelle andocken kann. Remicade ist ein gegen das Entzündungs-Zytokin TNF-alpha gerichteter Antikörper. Beide Arzneien sind seit zwei Jahren auf dem deutschen Markt, aber nur zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis, noch nicht für Morbus Bechterew.</P><P> Nach ersten klinischen Studien wurden bei mehr als der Hälfte der Patienten in der Therapie die Symptome stark gemildert. Aber: Auch wenn die Biologika körpereigene Regulationsprozesse nachbilden - frei von Nebenwirkungen sind sie nicht. So treten durch den Einfluss auf das Immunsystem mehr Infekte auf, auch alte Tuberkuloseherde flammte wieder auf. </P><P>Unklar ist auch die Langzeitwirkung, daher werden Biologika bisher nur Patienten gegeben, wenn andere Mittel nicht helfen. Die meisten Probleme machen allergische Reaktionen, da die auf Antikörpern basierenden TNF-alpha-Blocker aus Mäusen gewonnen werden oder enthalten Mäuse-Bestandteile.<BR> Das Allergie-Problem könnte ein neuer TNF-alpha-Blocker (Adalimunab) ändern: Er enthält keine Maus-Anteile mehr und ruft nach bisherigen Studien keine allergischen Reaktionen hervor. Seine Zulassung in Deutschland wird für Mitte 2003 erwartet. <BR></P>

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