Das neue Office muss sich vor allem selbst Konkurrenz machen

- New York - Rund 400 Millionen Computer-Anwender in 175 Ländern nutzen es fast jeden Tag. Das Büroprogramm-Paket Microsoft Office dominiert nicht nur den Büroalltag rund um den Globus, sondern trägt mit einem jährlichen Umsatz von rund 9 Milliarden Dollar auch maßgeblich zum Erfolg des Softwareriesen bei. 14 Jahre nach der Einführung des ersten Office-Pakets soll nach dem Willen von Microsoft-Gründer Bill Gates nun die elfte Office-Version erneut die weltweite Computergemeinde erobern.

<P>"Noch nie haben wir an einem Tag so viele Programme vorgestellt wie heute", sagte Gates am Dienstag (Ortszeit) in New York und machte damit dem letzten Zuhörer klar, dass Office nicht mehr nur aus einem einfachen Paket aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und einem Präsentationsprogramm besteht. Das "Microsoft Office System" präsentiert sich nun als Bündel verschiedener Einzelapplikationen wie Word, Outlook oder Excel, die zusammen mit einem komplexen Baukasten unterschiedlichsten Server-Programme für eine reibungslose Kommunikation im Unternehmen sorgen sollen.</P><P>Obwohl Microsoft Office wie kaum ein anderes System eine komplette Sparte der Softwareindustrie beherrscht, sehen sich die Microsoft- Manager einer harten Konkurrenz ausgesetzt. Dabei denken sie noch nicht einmal an Open-Source-Produkte wie Linux und StarOffice, die sich zuletzt bei der Stadt München gegen die Microsoft-Kombination von Windows und Office durchgesetzt hatte. "Die größte Herausforderung für uns ist die Zufriedenheit der Leute mit einer älteren Versionen von Microsoft Office", sagt Jeff Raikes, als Vice President für die Produktivitäts- und Businesssoftware des Konzerns zuständig. "Wir haben knapp zwei Milliarden Dollar in die Entwicklung des neuen Systems gesteckt, um zu beweisen, dass man auch ein erfolgreiches Produkt mit weit reichenden Innovationen noch weiter verbessern kann."</P><P>Dabei setzt Microsoft vor allem auf Werkzeuge wie die Datenaustauschsprache XML oder so genannte Web Services, um in Unternehmen Arbeitsabläufe effizienter gestalten oder Informationsflüsse strikt regulieren zu können. "Die durchgängige XML-Integration in allen Office-Komponenten sowie die signifikanten Verbesserungen bei Microsoft Outlook waren für uns die wichtigsten Gründe, auf Office 2003 zu setzen", sagte Dieter Reinersmann, Technikchef der Strategieabteilung CSC der Siemens AG. Damit habe etwa bei einem Projekt für elektronische Formulare der Entwicklungszeitraum von bislang sechs Monaten auf sechs Wochen reduziert werden können. Der deutsche Elektronikkonzern will demnächst 335 000 Personal Computer mit dem neuen System ausstatten und wurde deshalb von Microsoft in New York stolz als Vorzeigekandidat herum gereicht.</P><P>Für die Privatanwender, da sind sich zumindest fast alle Software- Tester der deutschsprachigen Computermagazine einig, profitieren von den aktuellen Verbesserungen in Office kaum. Wer nur einfache Briefe schreiben und schlichte Tabellen bearbeiten wolle, für den sei das neue Paket des US-Softwaregiganten "eindeutig überdimensioniert", lautete etwa das Urteil der Computerzeitschrift "PC Professionell". "Wer bereits Office XP oder 2000 besitzt, kann seine tägliche Arbeit genau so gut damit erledigen", urteilte das Fachblatt "ct". David Pogue, Kolumnist der "New York Times", hingegen glaubt, dass allein das komplett überarbeitete E-Mail- und Kalender-Programm Outlook mit seinem neuartigen Schutz vor unerwünschten Werbemails und anderen signifikanten Verbessungen das Geld für Office 2003 wert sei.</P><P>Unabhängig davon, wie Office 2003 nun tatsächlich vom Markt akzeptiert wird, wächst der Druck auf die vielen Microsoft-Abteilungen, die bislang für tiefrote Zahlen innerhalb der Microsoft- Bilanzrechnung sorgen. Die schwache Konjunktur und die Alternativen aus der Open-Source-Szene haben nämlich zu einem Preisverfall bei Softwareprodukten beigetragen. Zu den Verlustbringern innerhalb von Microsoft gehören der Onlinedienst MSN, die Spielekonsole Xbox, die Business-Software Navision/Great Plains sowie die bislang nur mäßig erfolreiche Mobiltelefon-Software.</P><P>Nach außen hin zeigt sich Microsoft noch gelassen: "Das sind strategische Investitionen, die sich auszahlen werden", sagt Office-Chef Jeff Raikes, dessen Abteilung bislang ein Großteil der neuen Microsoft-Projekte quersubventioniert hat.</P><P> </P>

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