Neue Puzzle-Software rekonstruiert Stasi-Dokumente

- Berlin - So clever war die Stasi denn doch nicht. Als im Wendeherbst 1989 die Reißwölfe bei der Vernichtung der Akten versagten und die Geheimdienstler per Hand ihre Papiere auseinander fetzten, schichteten sie die Schnipsel ordentlich in Säcke - sortiert nach Schreibtischen und Amtsstuben. "Das können wir nun bei der Rekonstruktion der Dokumente nutzen", sagt Ottmar Bünnemeyer vom Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik.

<P> </P><P>Er gehört zu dem Team des Instituts, das zusammen mit der Lufthansa Firma Systems Group eine Puzzle-Software zum Zusammensetzen dieses Teils der zerrissenen Stasi-Hinterlassenschaft entwickelt hat. Die sichergestellten Schnipsel türmen sich in rund 16 000 Säcken. Bünnemeyer findet das automatische Riesen-Puzzle "zeitgeschichtlich ungewöhnlich und interessant". Es sei schon ein komisches Gefühl, daran mitzuwirken, sagt der 30-Jährige.</P><P>Das Verfahren, das am Montag in Berlin vorgestellt wurde, könnte in fünf Jahren das erledigen, wofür Fachleute bislang 400 Jahre veranschlagt haben. 13 Jahre nach der Wende ist der Inhalt von nur 25 Säcken in mühevoller Handarbeit rekonstruiert. "Die Opfer warten auf diese Unterlagen", sagt Günter Bormann von der Behörde für die Stasiunterlagen. Auch Fälle, die strafrechtlich zu verfolgen sind, könnten sich in den rund 600 Millionen Schnipseln verbergen.</P><P>Aber auch hier hängt es am Geld. Wann aus der Machbarkeitsstudie eine neue Qualität der Stasi-Aufarbeitung werden könnte, ist unklar. "Das ist noch kein haushaltsreifer Beschluss", schränkt Bormann ein. Der Bundestag muss das Geld bewilligen. Prognosen, wann das sein könnte, will er nicht abgeben. Zu den Kosten hält sich die Behörde ebenfalls bedeckt. Deutlich weniger als 60 Millionen Euro seien veranschlagt, sagt Behördensprecher Christian Booß.</P><P>Geschäftsführer Gunter Küchler von Lufthansa Systems Group erläutert das Verfahren: Die Schnipsel aus einem Sack werden schichtweise in Kartons gepackt, dann maschinell einzeln in Folien geschweißt, um sie mit Code-Nummern versehen, einscannen zu können. Gespeichert werden auch Schriftart, Papierfarbe, Grafiken, Stempel - daraus kann dann die neue Software erkennen, was zusammengehört und auf dem Bildschirm zusammenfügen.</P>

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