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Ein neues Gesicht für die TUM

- Vor zehn Jahren übernahm der Präsident der Technischen Universität München Prof. Wolfgang A. Herrmann, den Chefposten - jetzt geht er noch einmal in eine zweijährige Amtszeit (mehr ist von der Verfassung der TUM her nicht möglich). Vieles hat er bereits erreicht für Bayerns einzige Technische Hochschule, die bundesweit die modernste Hochschulverfassung hat und Vorreiter für eine "unternehmerische Hochschule" ist. Auch für die Zukunft hat der TUM-Chef noch Eisen im Feuer.

Herrmann möchte der TUM architektonisch ein neues Gesicht verpassen. "Wir brauchen eine Adresse, die international ins Auge sticht. Wenn wir eine Top-Universität sein wollen, muss das auch optisch zu erkennen sein". Etwa mit einem gläsernen Empfangsbau und einer Restaurants-Dachterrasse mit einer Parabel (als Lift). Dass auf dem Stammgelände manche Bauten in miserablem Zustand sind, macht den Umbau noch dringender.

Der historische Uhrturm wird in den Umbauplänen weiter eine wichtige Rolle spielen, doch das Eingangstor zum Stammgelände mit der wenig attraktiven Bausubstanz soll komplett verändert werden. Dazu wird jetzt ein Mäzen gesucht.

Auch der Campus Garching, dessen U-Bahn-Anschluss zum Wintersemester 2006 endlich fertig wird, braucht Investoren: für eine Infrastruktur mit die Ladenzeilen, Restaurant und einem Audimax. Das Geld könnte über ein Erbbau-Mischfinanzierungskonzept auf den wertvollen Grundstücken des Hochschulgeländes hereinkommen, so Herrmann.

Vorrangig und aktuell kämpft Herrmann aber für eine zukunftsorientierte richtige Weichenstellung im neuen Bayerischen Hochschulgesetz und im neuen Uniklinikgesetz, das am 1. April 2006 in Kraft treten soll.

Zwölf Dekane warnen: Keine Fusion der Kliniken

"Was wir in der TUM auf kleinen Fall wollen: die Fusion aller Münchner Hochschulkliniken unter einem Dach." Die Fusion ist als Fernziel im Entwurf zum neuen Klinikgesetz Bayerns festgeschrieben.

Noch freilich kann man die insgesamt drei geplanten Gesetze (Schulen, Kliniken, personal), der Landtag hat sie noch nicht beschlossen.

Alle Dekane der 12 TUM-Fakultäten warnen in einem gerade verschickten Protestbrief an Wissenschaftsminister Thomas Goppel vor den Folgen einer Fusion für Münchens Hochschulmedizin. Die können international nur durch ein spezielle (unterschiedliches) Qualitätsprofil an beiden Universitäten mithalten, ist Herrmann, der USA-erfahrene Hochschulmanager überzeugt. Das Stichwort für die TUM: Medizintechnik - verknüpft mit allen Bereichen der Naturwissenschaft. "Es ist das Modell der Stanford-University, das wir verfolgen." Es wäre auch wirtschaftlich gesehen fatal, wenn Bayern mit einem Klinikgesetz solchen Chancen zerschlagen würde, warnen die Dekane.

Vom neuen Hochschulgesetz, das den Unis viel mehr Freiheit bringen soll, erwarten sich Herrmann und seine Mitstreiter im Verwaltungsrat große Chancen für die Zukunft. Über Artikel 106 (einer weitgehenden Öffnungsklausel) könnte die künftige Autonomie der Universitäten auch mit einem Globalhaushalt abgesegnet werden. Darin müssten allerdings künftige Tarifsteigerungen mit eingeplant sein, betont Herrmann.

Entscheidungsfreiheit bis hin zum eigenen Berufungsrecht (§ 18 im künftigen Hochschulpersonalgesetz ließe das zu) kann das Gesetz ab 2006 den Hochschulen bringen (wenn der Wissenschaftsminister mitmacht).

Die Grundlagen für solche Hochschul-Autonomie wurden bereits weitgehend an der TUM erarbeitet. Mit der so genannten Experimentierklausel schuf sich die Hochschule einen starken Verwaltungsrat, der über die komplette Umstrukturierung mitentschieden hat, die Herrmann an der TUM durchsetzen wollte.

So wurde das Wissenschaftzentrum Weihenstephan ins Leben gerufen, das die "Life Sciences" (Lebenswissenschaften) beherbergt. Es bietet eine fachübergreifende Forschung und für die "grünen" Fächer völlig neue Ausbildungsperspektiven.

Eigentlich habe er vor zehn Jahren das Amt nicht gewollt, verrät der Chemie-Professor (Spezialgebiet: Katalyse) im Rückblick: "Es fiel mir damals schwer, die Wissenschaft zu verlassen." Erst die Ingenieure der TUM überzeugten ihn, die Weichen in eine internationale Zukunft stellen. Heute gefällt ihm der Managerjob. "Die zehn Jahre sind unglaublich schnell vergangen."

Für die nächsten zwei Jahre engagiert sich Herrmann auch weiter für alle Unis. So knüpft er mit den anderen Technischen Unis in Deutschland gerade ein nationales Kooperationsnetz und plant eine TU-Filiale in China. Für die 11 bayerischen Unis dringend notwendig sei zudem ein gemeinsames Tor nach Brüssel betont er.

Im übrigen ist die TUM vom Stifterverband zur Vorbild-Uni für die richtige Auswahl der Studenten bestimmt worden. In 50 Studienfächern hat sie (unter 5000 Bewerbern) ausgewählt.

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