Neues Insekt in Bernstein an der Ostseeküste entdeckt

- Im goldgelben Bernstein der Ostseeküste finden Zoologen noch immer neue Insektengattungen. Jetzt haben Forscher der Friedrich-Schiller-Universität Jena einen neuen sensationellen Fund im fossilen Harz gemacht: Stolze acht Millimeter misst das Insektenmännchen, das den so genannten Fächerflüglern angehört.

"Es ist das urtümlichste Exemplar, das bisher weltweit gefunden wurde", sagt Hans Pohl vom Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie der Universität Jena. "Der "Protoxenos janzeni" ist der einzige Vertreter einer neuen Gattung und Familie und er ist ein so genanntes missing link im Fächerflügler- Stammbaum", erläutert Pohl die Bedeutung des Fundes.<BR><BR>Die heute lebenden Nachfahren des Protoxenos werden nicht größer als zwei bis sechs Millimeter und sind Parasiten anderer Insekten. Lediglich der Kopf der Weibchen schaut aus dem Leib des Wirtes (Bienen, Heuschrecken, Wanzen) heraus. "Deshalb werden sie auch durch den Mund befruchtet", erklärt der Zoologe. "Ihr kurzes zweistündiges Leben steht ganz unter dem Motto ,Luft und Liebe'. Die Männchen sprengen ihre Puppenhülle und pumpen ihren Darm voll Luft, um schneller zu den Weibchen zu gelangen, die sie mit ihrem Duft anlocken."<BR><BR>Der jetzt entdeckte Protoxenos hat vor mindestens 39 Millionen Jahren gelebt. "Anders als seine modernen Nachfahren besitzt er jedoch noch Mundwerkzeuge, die ihn zur Nahrungsaufnahme befähigten", sagt Pohl. "Unverdaute Reste von Chitinpanzern anderer Insekten in seinem Darm sprechen dafür, dass er ein Aasfresser war. Immerhin hat er noch Nahrung zu sich genommen, während seine heutigen Nachfahren auf Null-Diät sind."<BR><BR>Die Winzigkeit der Fächerflügler und ihre hochspezialisierte parasitische Lebensweise erschweren ihre Erforschung. Um so erstaunlicher ist die Größe des neuen fossilen Exemplars. "Besonders eindrucksvoll sind die großen hirschgeweihartigen Antennen", begeistert sich Pohl. Die hat Protoxenos mit den heutigen Vertretern gemein. Sie dienen der Ortung der Weibchen.<BR><BR>Ob sich auch das Männchen im Bernstein auf dem Hochzeitsflug befand, darüber können die Forscher nur mutmaßen. Fest steht, dass die heute noch lebenden Mini-Vertreter extrem an die parasitische Lebensweise angepasst sind. Bisher sind erst 600 Arten der modernen Fächerflügler beschrieben worden, aber min-destens 2000 werden vermutet.<BR>

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