Neues aus der Krebsforschung

- Berlin - Ein deutlicher Therapiefortschritt ist für viele Frauen mit familiärem Brustkrebs in greifbare Nähe gerückt. In diesem Herbst starte eine Studie für eine molekulargenetisch maßgeschneiderte Behandlung an Patientinnen (Phase-2-Studie), berichteten Experten auf dem 27. Deutschen Krebskongress am Mittwoch in Berlin. Weitere dort präsentierte Neuerungen der Grundlagenforschung sind Marker, die die Wirksamkeit von Chemo- und Strahlentherapie bei Hirntumoren voraussagen, sowie eine in ihrer Intensität veränderliche Strahlentherapie.

"Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass rund 20 Prozent aller Brustkrebserkrankungen die gleichen molekulargenetischen Charakteristika wie erbliche Tumore aufweisen", sagte Prof. Rita Schmutzler von der Universitäts-Frauenklinik Köln. Daher könnten viele Erkenntnisse, die bei der kleinen Gruppe erblicher Brusttumore gewonnen wurden, künftig prinzipiell auch auf die deutlich größere Gruppe sporadischer Tumore übertragen werden.

Veränderungen in den Genen BRCA1 und 2 sind für die Hälfte der erblichen Brustkrebsfälle verantwortlich. Für diese Frauen ist die neue Therapie gedacht. "Wir haben zudem Hinweise, dass die Immunabwehr bei diesen Betroffenen eine ganz besondere Rolle bei der Tumorentwicklung spielt", so Schmutzler. Hier gelte es weiter zu forschen. Bislang gibt es das maßgeschneiderte Krebsmittel Herceptin, das speziell nur an HER2-Rezeptoren andockt und sie unschädlich macht. Diese spielen bei 30 Prozent der Brustkrebsfälle eine Rolle.

Beim bösartigsten Hirntumor (Glioblastom) gibt ein neuartiger Marker Hinweise für die Wirksamkeit einer Therapie: Bei Patienten, deren Tumor nicht über ein bestimmtes Reparaturenzym (MGMT) verfügt, wirkt eine die Strahlentherapie begleitende Chemobehandlung deutlich besser. "An entsprechenden Tests wird bereits gearbeitet", sagte Prof. Michael Weller (Uniklinik Tübingen).

Neuartige Bildgebungsverfahren wie die kombinierte PET/CT (Positronen-Emissions-Tomographie/Computer-Tomographie) unterstützen zudem die modulierte Strahlentherapie der Zukunft: Sie liefern Aufschluss über resistente Tumorareale, die dann besonders intensiv bestrahlt werden, während das gesunde Gewebe im Umfeld geschont wird.

Auch im Forschungsbereich zur Tumorentwicklung (Angiogenese) zeichnen sich neue Perspektiven ab: "Die Hemmung der Tumorangiogenese allein reicht nicht aus", sagt Prof. Dieter Marmé (Universitätsklinik Freiburg). Wirksamer sei eine Kombination von Wachstumshemmern mit Zellgiften, die genau auf die molekulare Handschrift des Tumors zugeschnitten werde. "Eine Vision für die Zukunft heißt also: Personalierte, Multi-Target Krebsmedizin!"

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