Neugierde siegt über Vorsicht

- Für die meisten Medizinstudenten der Ludwig-Maximilians- Universität (LMU) ist es einer der spannendsten Momente während ihrer Ausbildung: Sie sehen zum ersten Mal im Anatomiekurs konservierte menschliche Extremitäten. Die wenigsten von ihnen haben schon einmal mit Leichenteilen zu tun gehabt.

MEDIZINSTUDIUM

Die Anatomie

Anfangs liegen die Arme und Beine noch unter roten Tüchern verborgen. Sobald jedoch die Tutoren die Plastikplanen weggezogen haben, ist der Blick frei auf die graubleichen Anschauungsobjekte. Sie sind bereits von den Hautschichten befreit, so dass die Studenten Muskeln, Sehnen und Knochen betrachten können.

Der Geruch des Konservierungsmittels Ethanol liegt stechend in der Luft. Die Scheimhäute der Augen sind leicht gereizt. "Ich war froh, dass nicht gleich ganze menschliche Körper auf den Tischen lagen, sondern nur einzelne Teile", sagt Katharina Hellbach. "Anfangs ging ich schon etwas vorsichtig zum Tisch, aber am Ende hat die Neugier gesiegt."

Ähnliche Eindrücke schildert Hellbachs Kommilitone Stefan Moder. "Ich war sehr gespannt auf das, was mich da erwartet. Und ich bin begeistert von der Möglichkeit, den menschlichen Körper so untersuchen zu können, denn das habe ich bis jetzt noch nie gesehen.

Wie die meisten Studenten hatten sich Hellbach und Moder schon in der anatomischen Sammlung der Fakultät kundig gemacht. Dort lagern hinter Glasscheiben konservierte Objekte, die man jederzeit betrachten kann.

"So ungefähr haben wir also schon gewusst, was auf uns zukommt". Dass das Konzept der Professoren und Dozenten aufgeht, die Studenten erst einmal langsam auf komplette menschliche Leichen vorzubereiten, kann Michelle Davis, eine der Tutorinnen des Kurses, nur bestätigen: "Ich habe den Anatomiekurs in Spanien absolviert. Dort hat man uns gleich komplette Leichen vorgesetzt. Das war schon gruseliger als hier an der LMU."

Intensiv beschäftigen sich die Medizinstudenten nun mit Armen und Beinen. Sie müssen jede Sehne, jeden Knochen und jeden Muskel genau kennen. Die Anschauungsobjekte bleiben über die ganze Zeit die gleichen. Am Ende der Übungseinheit im Dezember steht eine weitere Prüfung, das so genannte Fähnchentestat. Auf den Extremitäten werden an bestimmten Stellen Fähnchen eingesteckt, die die Prüflinge dann benennen müssen. Für das Fähnchentestat werden sie weitaus mehr Fachbegriffe büffeln müssen, als für die erste Prüfung in der Knochenkunde.

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