Neuronen brauchen Nahrung und Bewegung

- Die PISA-Studie hat die Diskussion über effektivere Lernmethoden in Deutschland wieder angefacht. Auch von der naturwissenschaftlichen Seite gibt es Ansätze, mit Hilfe von Gehirnforschung die Grundlagen der Lernprozesse und damit auch -störungen auf zellulärer und molekularer Ebene zu verstehen.

<P>Professor Anna K. Braun von der Otto von Guericke Universität Magdeburg interessiert sich besonders für die Entwicklung des Gehirns in der Kindheit. "Das Gehirn ist nur in der kindlichen Phase fähig, sich gut an die Umgebung anzupassen, indem es sich immer wieder umstrukturiert", erklärte die Neurobiologin. "Es wird mit zunehmendem Alter statischer, denn nun muss es Erinnerungen, Verhaltensweisen und Strategien speichern."</P><P>Braun führte an ihrem Institut Laborexperimente an Strauchratten durch, die ähnliche soziale Strukturen einer Familie besitzen wie Menschen. So beteiligen sich auch die Männchen an der Aufzucht des Nachwuchses. Jeden Tag nahmen die Forscher die kleinen Ratten einige Stunden aus dem Gehege der Eltern. Diese Tiere zeigten später eine geringere Lernfähigkeit als die nicht-traumatisierte Kontrollgruppe. </P><P>"Nervenzellen haben während ihres Wachstums auch einen sehr hohen Energiebedarf, der gedeckt sein muss", so Braun weiter. "Bei einer mangelhaften Ernährung kann es also zu einer verzögerten oder fehlerhaften Reifung der Informationskanäle im Gehirn kommen."</P><P>Eine andere interessante Entdeckung machte ein Forscherteam um John Medina vom Talaris Institute, Massachusetts, USA, im Zusammenhang mit Bewegung. Es scheint, als wenn körperliche Ertüchtigung zwischen den Lerneinheiten das Gehirn dazu veranlasst, Informationen nicht nur ins Kurz- sondern auch ins Langzeitgedächtnis aufzunehmen. Auch wurde in Tierexperimenten nachgewiesen, dass Sport die Neuronen vor Verletzungen bewahren kann und somit vor Alzheimer schützt. </P><P>Als Schlussfolgerung aus diesen Erkenntnissen sollte nach Meinung der Experten die Art der Wissensvermittlung in den Schulen und Hochschulen neu überdacht und reformiert werden. Medina etwa empfiehlt kleinere Lerneinheiten von etwa 20 Minuten, die dann mit Aerobic unterbrochen werden sollen. Braun fordert bei den Kindergärten eine angemessenere und vielseitige Betreuung, in der Kinder genug Anregungen bekommen, um ihre Lernfähigkeit gut zu fördern.</P>

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