Nintendo startet mit neuer Spielekonsole "Wii" in Europa

- Hamburg - Eigentlich sollte es eine ganz normale Europapremiere ohne großes Tamtam werden - anders als in der Branche oft üblich. Doch dem japanischen Spielehersteller Nintendo und seinen Plänen für die neue Konsole Wii machte zumindest der Spielzeughändler Toys"R"Us einen Strich durch die Rechnung.

Bereits am Donnerstagabend, noch vor dem offiziellen Start am Freitag, lud Toys"R"Us zur "Premierenparty" nach Köln. Ab Mitternacht sollte der Verkauf der ersten Wii-Konsolen an die Fans beginnen. Dafür zog das Unternehmen aus allen deutschen Filialen die Bestände zusammen. Nach erfolgreichem Start in Japan, den USA und Australien darf Nintendo nun auch hier zu Lande einen zumindest ebenso erfolgreichen Markteintritt erwarten.

Schon in New York hatten sich Konsolen-Fans zu Verkaufsbeginn der Wii lange vor Öffnung der Läden in Schlangen vor den Elektronikläden versammelt und geduldig gewartet. Auch in Tokio ging am vergangenen Wochenende pünktlich zur Ladenöffnungszeit der Run auf die begehrten Spielzeuge los - innerhalb eines Tages waren die Geräte ausverkauft, immerhin 400 000 Stück. Mit der Wii ist nach der Xbox 360 in Europa nun die zweite Spielekonsole der neuen Generation verfügbar. Konkurrent und Marktführer Sony musste wegen technischer Probleme die Einführung seiner PlayStation 3 in Europa auf kommendes Jahr verschieben.

Unter den großen Konsolenherstellern herrscht seit Jahren ein erbitterter Kampf um Marktanteile um den lukrativen Spielemarkt. Vor allem die Konsolen der dritten Generation sollen ihre Vorgängermodelle in Leistung und Ausstattung um ein Vielfaches übertreffen. Mit seiner neuen Wii schert Nintendo allerdings aus der traditionellen "Rüstungsspirale" aus: Statt auf noch mehr Leistungsfähigkeit und schnellere Rechenkapazität setzt das japanische Traditionsunternehmen auf neue Spielerfahrungen. Man wolle überhaupt nicht mit Sonys PlayStation 3 konkurrieren, sagt Nintendo- Präsident Satoru Iwata. Geplant ist allerdings, in Sachen verkaufte Stückzahl an dem Rivalen vorbeizuziehen.

"Wenn wir Autos als Metapher nehmen, ging es in unserem Industriezweig stets um die reine PS-Zahl der Motoren", sagt Nintendo-Forschungsleiter Genyo Takeda. "Und das, obwohl nicht alle Autos konzipiert wurden, um in Formel-1-Rennen zu bestehen." Diesen Kreislauf hin zu immer mehr Leistung um jeden Preis will das Unternehmen mit der Wii durchbrechen. Nintendo habe eine deutliche Krise in der Videospiel-Industrie wahrgenommen, sagte Iwata. "Der japanische Videospiel-Markt war zwischen 1997 und 2003 konstant rückläufig, was uns dazu bewegt hat, in eine neue Richtung zu steuern." Vor allem neue Zielgruppen unter den "Noch-Nicht-Spielern" will das Unternehmen für sich gewinnen.

Besonderes Merkmal der Wii, ehemaliger Codename "Revolution", ist seine Spielsteuerung. Mit dem neuartigen kabellosen Controller kann der Spieler über körperliche Bewegung das Spiel steuern. Sportspiele wie etwa Golf oder Tennis, die der Konsole beiliegen, werden zum Beispiel gesteuert, indem der Spieler den Controller wie einen Tennisschläger durch die Luft führt. Ein nahezu unsichtbar am Fernseher angebrachter Sensor überträgt die Bewegungen ohne Zeitverzögerung in den Spielablauf. Zusammen mit einem "Nunchuck" genannten kleinen Gerät können komplexere Spiele etwa wie so genannte Ego-Shooter auch beidhändig gesteuert werden.

"Genau wie Hybrid-Autos einen neuen Schwerpunkt auf "umweltfreundliche Leistung" gesetzt haben, setzt auch das Wii-System auf neue Werte", sagt Nintendo-Entwickler Kou Shiota. "Doch deswegen haben wir uns nicht aus dem technologischen Wettbewerb zurückgezogen." Die Entwickler hätten durchaus "eine Reihe hochtechnischer Komponenten im Wii-System integriert". Allerdings verfügt die Wii, anders als die "Konkurrenz"-Konsolen Xbox 360 und PlayStation 3 lediglich über ein herkömmliches DVD-Laufwerk und kann sich auch in der Grafikdarstellung nicht an den Hochleistungs- Spielzeugen messen. Dafür ist die Wii für einen Preis von rund 250 Euro die mit Abstand günstigste Konsole, die PlayStation 3 soll in Europa für mehr als das Doppelte in die Läden kommen.

In Sachen Marktdurchdringung könnte das neue Konzept des japanischen Unternehmens aufgehen. Zur Zeit profitiert das Unternehmen kurz vor Weihnachten zumindest in Europa ohnehin von der noch nicht verfügbaren PlayStation 3. Noch in diesem Jahr will Nintendo vier Millionen Konsolen absetzen, das wäre das Doppelte der von Sony für die Playstation 3 geplanten Verkäufe. Bis Ende März 2007 sollen insgesamt sechs Millionen Wii-Konsolen bei den Verbrauchern stehen - Microsoft hat innerhalb eines Jahres rund zehn Millionen Xbox 360 verkauft.

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