Notfallkoffer für Allergiker

- Es passiert im Garten oder auf dem Schulhof, im Freibad oder beim Picknick: Eine Wespe sticht zu. Für Insektengiftallergiker kann das lebensgefährlich werden. Ein Allergie-Schock (anaphylaktischer Schock) und damit akute Atemnot und das Versagen des Herz-Kreislauf-Systems kann zum Tod führen. Schnelles Handeln ist dann oberstes Gebot.Doch genau daran scheitert es oft. Das machte Professor Estelle Simons, die Präsidentin der American Academy of Allergy, Asthma and Immunology, auf dem 19. Welt-Allergie-Kongress in München deutlich.

Simons befasst sich in ihren Forschungen jedoch vor allem mit Nahrungsmittelallergien, die im schlimmsten Fall auch einen Allergie-Schock zur Folge haben können. Wenn der Schock kommt, sind die Allergiker oft weit von einer Klinik entfernt. Und damit beginnt der Wettlauf gegen die Zeit. Um sich selbst eine Injektion geben zu können, sollten Risikopatienten ein Notfall-Set bei sich haben. Wie Estelle Simons erläuterte, hat eine internationale Studie gezeigt, dass nur 30 Prozent der Patienten und deren Angehörige ein Notfall-Injektionssystem richtig bedienen konnten. Weitere Befragungen ergaben, dass die Notfall-Sets, zu denen die Adrenalinspritze gehört, im Ernstfall überhaupt nur selten zum Einsatz kamen."Die Angst vor der Spritze darf nicht unterschätzt werden", sagte Simons. Mangelhafte Aufklärung und Schwierigkeiten bei der Selbstinjektion: Daran macht sie die Probleme bei der Notfallversorgung fest.Die Medizinerin ist vor allem über die Zunahme von allergischen Reaktionen bei Nahrungsmitteln besorgt. Ihrer Ansicht nach könnten 90 Prozent der Todesfälle, die infolge eines Allergieschocks durch Lebensmittel verursacht wurden, verhindert werden.Deshalb setzt sie auf Schulungen für die Patienten, in die auch die Familienangehörigen eingebunden werden sollten. Denn "Zeit ist der ausschlaggebende Faktor." Ist der Betroffene selbst nicht mehr in der Lage zu reagieren, muss der Angehörige sofort handlungsbereit sein. Im Fall eines anaphylaktischen Schocks wirke die Einnahme von Antihistaminika nicht schnell genug. Damit wären lediglich Hautreaktionen zu behandeln. Zu den Anzeichen einer Allergie zählen Juckreiz und Quaddelbildung.

Ins Notfall-Set gehöre zudem ein Plan, auf dem die Nahrungsmittel stehen, gegen die der Betroffene allergisch ist. Außerdem sollten dort die Warnzeichen eines allergischen Schocks, wie Brechreiz, Atemnot und Sehstörungen, aufgelistet sein. Wichtig seien auch Instruktionen zur Handhabung der Autoinjektionssysteme. Die Apparate stoßen die Nadel der Spritze per Knopfdruck automatisch in die Haut. Doch auch bei den Systemen sieht Estelle Simons Handlungsbedarf: Bisher sind nur zwei Fixdosierungen für die Notfallpackung auf dem Markt. "Da wird dann über- oder unterdosiert." Außerdem, so ihr Fazit, muss man nach der Notfallspritze immer zum Arzt.

Buchtipp:"Nahrungsmittel-Allergien". Ratgeber von Claudia Thiel, brosch. Trias Verlag, 2004, 19,95 .

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