Öko-Tod im Jurameer

- Gestein schmilzt glasartig auf und wird hochgeschleudert. Feuerstürme ziehen über die Erde. Milliarden Tonnen Gesteinstrümmer, Asche, Ruß und Gase steigen als riesige Rauchsäule bis in die obersten Schichten der Stratosphäre. Große Staub- und giftige Schwefelwolken umhüllen den Globus und bilden einen Wolkenteppich, der Licht und Wärme der Sonne abhält.

<P>Eisige Kälte hält Einzug. Pflanzen und Tiere sterben.  So in etwa könnte es vor 65 Millionen Jahren ausgesehen haben, als sich ein 10 bis 14 Kilometer großer Asteroid mit einer Aufprallgeschwindigkeit von 15 Kilometer in der Sekunde in den Erdboden bohrte. Mit der milliardenfachen Kraft der Hiroshima-Atombombe sprengte er einen 180 Kilometer großen und 10 Kilometer tiefen Krater. <BR><BR>Drei Viertel der damals lebenden urzeitlichen Geschöpfe verendeten - unter ihnen die größten Kreaturen, die unseren Planeten jemals bewohnt haben: die Dinosaurier. Solche "Massenextinktionen", wie Geologen und Paläontologen das globale Massensterben von Flora und Fauna nennen, hat es während der letzten 600 Millionen Jahren mindestens fünf Mal gegeben. Eine Katastrophe ähnliches Ausmaßes könnte sich auch vor 181 Millionen Jahren in unseren Breitengraden ereignet haben, als Mitteleuropa noch von einem flachen Meer bedeckt war. <BR><BR> Von dieser Annahme geht zumindest ein Forscherteam der Kreisarchäologie Göppingen und dem Institut für Geowissenschaften der Eberhard Karls-Universität Tübingen aus, das während einer intensiven Ausgrabung im Bereich des weltweit bekannten Eislinger Fischsaurierfriedhofs (Kreis Göppingen) kürzlich auf einem 1600 Quadratmeter großen Areal mehr als 1000 Knochen aller Größenordnungen frei legte. Dabei entdeckten die Forscher erstmals größere Mengen an Skelettteilen von Meereskrokodilen, Überreste von Stachelhaien und Gliedmaßenknochen eines seltenen Schlangenhalssauriers. </P><P>Nach den bisherigen Erkenntnissen hat sich die Gesteinsschicht, aus der die teilweise nur zentimetergroßen Funde stammen, vor 181 Millionen Jahren am Grund des Jurameeres gebildet. "Dies sind höchst seltene Funde. Sensationell ist, dass die Knochen dreidimensional erhalten sind. An der Oberfläche sind sogar Ansätze von Muskelgewebe und Sehnen erkennbar", freut sich Ausgrabungsleiter Dr. Reinhard Rademacher. "Es handelt sich hier um ein Phänomen, das sich wohl kilometerweit erstreckt und weltweit einzigartig ist." <BR><BR>Sensationell ist aber auch das Ergebnis der durchgeführten mikropaläontologischen und geochemischen Analysen der vorliegenden fossilen Knochenfragmente. Sie deuten darauf hin, dass der Tod der in dieser Ablagerung geborgenen Tiere offenbar mit einer "ur-plötzlichen" Ökokatastrophe zusammen hängt, dessen Auslöser nicht ein Asteroid, sondern eine chemischer Stoff gewesen war. Hierbei handelt es sich um den eisartigen Feststoff Methanhydrat, der für gewöhnlich in einer Tiefe von 400 bis 500 Metern bei 2 bis 4 Grad Celsius am Grund des Meeres vorkommt. Wird er freigesetzt, wirkt er wie ein aktives Treibhausgas.</P><P>Genau dies könnte in grauer Vorzeit geschehen sein, als ein Erdbeben das Methaneis vom Meeresboden löste und als freies Methangas nach oben trieb. <BR><BR> Mit fatalen Folgen für die maritime Fauna und Flora. "In seiner Wirkung ist Methan 30 bis 32-mal stärker als Kohlendioxid, das momentan unseren Treibhauseffekt prägt", sagt der Tübinger Geologe und Paläontologe Michael Montenari. Dadurch verstärkte sich der Treibhauseffekt, andererseits wurde das Meerwasser durch das Methanhydrat mit Giftstoffen nur so überschwemmt. Diese Entwicklung bekamen die Fische zu spüren. In dem schwefelwasserstoffreichen und sauerstofflosen Milieu erstickten diese sofort. <BR><BR>Zwar bereitete das verseuchte Wasser den Sauriern, die als Reptilien auftauchen und Sauerstoff tanken mussten, keine sonderlichen Probleme. Dafür ereilte diese dann der Hungertod, da ihre Nahrung, Fische und Plankton, im methanverseuchten Meer gestorben war. <BR></P>

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