Ötzis letzte Mahlzeit bestand aus Wild und Getreide

- Der berühmte Gletschermann Ötzi hatte sich mit dem Fleisch eines Rothirsches gestärkt, bevor er vor rund 5000 Jahren von einer Pfeilspitze getroffen zusammenbrach und einen langsamen Tod starb. Das hat eine Gen-Analyse seines Dünn- und Dickdarminhalts ergeben. Sie zeige, dass Ötzi ein Jäger gewesen sei, der Rotwild erlegt habe.

<P>Möglicherweise sei er eben dieser Beute wegen ermordet worden, schreiben Franco Rollo und Kollegen von der Universität von Camerino (Italien) in der Online-Ausgabe des amerikanischen Fachjournals "Proceedings of the National Academy of Sciences" ("PNAS"; DOI: 10.1073/pnas.192184599).</P><P>Die DNA-Analyse von Ötzis Darminhalt ergab außerdem, dass der Gletschermann vom Hauslabjoch auf dem Weg durch einen Nadelwald gewandert war und Beeren sowie Getreide und ein Stück Steinbock gegessen hatte. Reste des Steinbock-Fleisches fanden die Forscher in Ötzis Dickdarm. Auf 3200 Metern Höhe angekommen gönnte sich der vermutlich vom Klettern ermüdete Mann dann ein weiteres Mahl, eine Portion Rotwild mit ein paar Getreidekörnern. Die genetischen Spuren dieser Henkersmahlzeit entdeckten die Forscher in seinem Dünndarm, also noch ganz am Anfang des Verdauungssystems.</P><P>Das Team aus Camerino hatte die DNA-Proben aus Ötzis Eingeweiden am 25. September 2000 genommen, als der Eismann im Südtiroler Archäologie-Museum von Bozen erstmals kurzfristig aufgetaut worden war. Aus der Tatsache, dass Ötzis Magen bereits wieder leer war, und das Rotwildfleisch den Dünndarm erreicht hatte, ziehen Rollo und Kollegen auch Schlüsse über den zeitlichen Ablauf von Ötzis letztem Tag. Demnach trat sein Tod möglicherweise vier und mehr Stunden nach der letzten Stärkung ein, schreiben sie.</P><P>Der Magen eines Menschen beginne sich etwa zehn Minuten nach der Aufnahme von Nahrung zu leeren. Unter normalen Umständen erreiche feste Nahrung nach etwa drei Stunden das Ende des Dünndarms und bleibe dort oft noch eine weitere Stunde. Emotionaler Stress könne diesen Prozess noch erheblich verzögern, heißt es in den "PNAS". Dieser Faktor dürfte auch auf den Gletschermann zutreffen, der nach der jüngsten Rekonstruktion der Ereignisse durch Rollo und Kollegen langsam verblutete und damit einen qualvollen Tod starb.</P><P>Das Ergebnis widerspricht der bisherigen Theorie, dass Ötzi das Opfer eines Ritualmordes wurde. Vielmehr dürften ihm andere seine Beute geneidet und zu rauben versucht haben, heißt es. Die Forscher aus Camerino verweisen auf eine Studie von Nanna Noe-Nygaard im Journal der Archäologischen Wissenschaften von 1974. Demnach bohrten Rotwild- und Wildschweinjäger des mesolithischen Zeitalters ihre Pfeilspitzen und Speere bevorzugt in das linke Schulterblatt, weil diese Stelle die beste Chance bot, das Opfer mit einem Streich zu Fall zu bringen. Aus Ötzis Kleidung und Ausrüstung hatten Archäologen schon in den vergangenen Jahren geschlossen, dass der Gletschermann einmal "ein Jäger oder prähistorischer Krieger von hohem Rang" gewesen sein könnte.</P>

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