"Oft fehlen weibliche Vorbilder"

- Anfang November 2003 verlor Ute Scholz (Name von der Redaktion geändert) ihre Arbeitsstelle. "Ich dachte: Es kann ja nicht so schwer sein, einen neuen Job zu finden", erinnert sie sich. Schnell begannen die Absagen dann aber an ihrem Selbstbewusstsein zu knabbern. Dazu kam die Überlegung, sich beruflich neu zu orientieren.

<P>Hilfe suchte die junge Frau beim Expertinnen-Beratungsnetz (EBN) der Frauenakademie München (FAM). Nach Ausfüllen eines Fragebogens und einem Orientierungsgespräch vermittelten ihr die Mitarbeiterinnen dort eine Beraterin. Bei dieser fühlte sich Scholz sofort verstanden und bestens aufgehoben. "Es tut gut, mit jemanden zu reden, der objektiv ist", erklärt sie. "Familie und Freunde meinen es gut, sind aber voreingenommen." <BR><BR>"Oft fehlt ein weibliches Vorbild im Beruf", weiß auch Brigitte Erbe, die Geschäftsführerin der FAM. Schon seit 20 Jahren sorgt die FAM mit Vorträgen, Seminaren und Kongressen dafür, dass die Wissensvermittlung von Frauen an Frauen funktioniert. "Frauen neigen dazu, ihren Erfolg als Zufall einzustufen", sagt Erbe. "Sieht man genauer hin, steckt Engagement und Zielstrebigkeit dahinter." <BR><BR>Die 35 Beraterinnen, die ehrenamtlich beim EBN arbeiten, kommen aus den verschiedensten beruflichen Bereichen wie Wirtschaft, Personalarbeit, Medien und Justiz. Eine von ihnen ist Gerda Stellwaag. Sie kennt die Probleme berufstätiger Frauen aus erster Hand. Bei der Bundesfinanzverwaltung brachte es die alleinerziehende Mutter bis zur Finanzpräsidentin. "Insgesamt habe ich die Erfahrung gemacht, dass Frauen eher in die Defensive gehen und sich nicht soviel zutrauen wie die Männer", sagt sie. </P><P>Was die Juristin ihren "Schützlingen" empfiehlt, sind Wirtschaftsmagazine. "Die Wirtschaft steht immer im Mittelpunkt, egal in welcher Branche man arbeitet", meint sie. "Dasselbe gilt für die innerbetriebliche Organisation. Man sollte wissen, wo demnächst eine Stelle frei wird. Zu denken, dass man bei der nächsten Gelegenheit automatisch berücksichtigt wird, ist kurzsichtig." Ein Bein stellt den Frauen auch oft ihre Offenherzigkeit. "Ein Kollege, dem man von einem Jobangebot erzählt, beansprucht die Beförderung beim Chef vielleicht für sich selbst." <BR><BR>Für Scholz hat sich die Investition der 80 Euro Vermittlungsgebühr auf jeden Fall gelohnt. "Hier habe ich eine menschlich und fachlich gute Beratung und muss keine Angst haben, dass mich jemand übers Ohr haut", sagt sie. <BR> <BR>E-Mail: expertinnenberatungsnetz@frauenakademie.de oder Telefon: 089/7251848 (Mo-Mi 15-17 Uhr, Do 10-12 Uhr).<BR></P>

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