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Direkt vom Sofa in die Online-Videothek: Mit einem internetfähigen Fernseher kann man Filme im Netz ausleihen. Foto: Andrea Warnecke

Online-Dienste verändern Fernseh-Gewohnheiten

Das Internet verändert alles: Die Art, wie Menschen kommunizieren, wie sie einkaufen, ganze Geschäftsmodelle. Und so verändert das Netz auch das Fernsehen und die Möglichkeiten, bewegte Bilder zu empfangen. Neben TV-Sendern gibt es längst Online-Anbieter.

München (dpa) - Das Fernsehen befindet sich im Wandel. TV-Serien und Filme werden nicht nur über das normale TV-Programm gesehen. Zuschauer wählen gezielt aus, was sie wann sehen möchten. Möglich machen das Online-Anbieter wie Netflix, Maxdome, Watchever.

Was ist klassisches Fernsehen überhaupt?

Unter Fernsehen verstehen die meisten Menschen das sogenannte lineare TV-Programm. Sender zeigen, einem festen Zeitplan folgend, Sendungen, Filme oder Shows nacheinander. Der Zuschauer - zumindest einer ohne Festplatten-Recorder - muss sich entscheiden: zwischen dem Tatort in der ARD, dem Liebesfilm beim ZDF, der Serie auf Sat.1 oder der Dokumentation auf arte. Gemessen wird die Zuschauergunst über die Einschaltquoten - wichtig vor allem für die Bepreisung der Werbezeiten. Die privaten Fernsehsender verdienen mit der Reklame den weitaus größten Teil ihres Geldes.

Und was ändert das Internet?

Vor allem macht es Fernsehen unabhängig von Zeit, Ort und einem speziellen Gerät. Zunächst machten es sogenannten Mediatheken möglich, Sendungen im Internet zur Verfügung zu stellen. So können Zuschauer verpasstes nachholen, wenn sie über eine ausreichend schnelle Verbindung verfügten. Mit der Ausbreitung des schnellen Internets wuchsen die Möglichkeiten enorm, TV kann auf dem Handy, dem Tablet, dem Computer geschaut werden - und seit Smart-TV-Geräte selbst mit dem Internet verbunden sind, verschmelzen Online-Dienste zunehmend mit dem klassischen Fernsehen.

Was bedeutet das für die Fernsehsender?

Auch für die gibt es nun mehr Möglichkeiten, Zuschauer zu erreichen. Aber die technische Entwicklung ermöglicht es auch anderen Anbietern, den Sendern Konkurrenz zu machen. Das gilt für Videoplattformen wie YouTube, auf denen Nutzer ihre eigenen Videos zeigen können, aber auch für Unternehmen wie Netflix, die inzwischen selbst produzierte Inhalte kostenpflichtig im Netz zeigen. Vor allem aber verändern die vielfältigen Zugänge und Angebote das Fernsehverhalten der Menschen, insbesondere der Jungen.

Wird deswegen weniger klassisches TV geschaut?

Nein, bisher lässt sich das nicht sagen. Seit dem Jahr 2000 ist die durchschnittliche TV-Sehdauer laut Branchenverband VPRT von 190 auf 221 Minuten pro Tag gestiegen. Die Deutschen schauen also sogar länger fern. Doch spannend wird es, wenn man die Zahlen auf Altersgruppen auftrennt. Die Menschen über 50 schauen am längsten, im Schnitt 291 Minuten pro Tag, also fast 5 Stunden. Bei den 14 bis 29 Jährigen sind es hingegen 124 Minuten, als gut zwei Stunden - und etwa vier Minuten weniger als ein Jahr zuvor. In dieser Altersgruppe sind Smartphones inzwischen mindestens so wichtig wie das TV-Gerät.

Bewegte Bilder waren über Jahrzehnte Sache des Fernsehens und des Kinos. Doch inzwischen ist jeder, der ein Smartphone hat, potenziell eine TV-Station oder ein Filmstudio. Der Trend ist klar: die verschiedenen Angebote verschmelzen immer mehr.

Fernsehsender: In Deutschland gibt es neben öffentlich-rechtlichen Angeboten von ARD und ZDF noch eine stattliche Zahl von privaten, werbefinanzierten TV-Sendern, die meisten in der Hand entweder der RTL Group oder von ProSiebenSat.1. Sie alle liefern lineare TV-Programm, aber auch Fernsehen auf Abruf, Apps für Smartphones.

Streamingdienste: Anbieter wie Netflix, Amazon Instant Video, Maxdome oder Watchever zeigen Filme und TV-Serien direkt aus dem Netz. Dabei setzen Netflix oder Amazon auch massiv auf eigene Produktionen. Gezahlt wird meist über Abo-Modelle. Zugleich kann man etwa bei Amazon oder Apple auch online kaufen oder leihen.

Videoportale: Plattformen wie YouTube bieten die Möglichkeit, Videos zu veröffentlichen. Unternehmen, Stars oder Politikern ebenso wie jedem, der sich einen Account zulegt. Manche YouTuber sind damit selbst inzwischen zu Stars geworden und erzielen mit ihren Videos Reichweiten, von denen manche klassische Fernsehsendung nur träumt.

Online-Medien: Zeitungen oder Magazine setzen in ihren digitalen Auftritten zunehmend auf Videos. Von klassischen Nachrichtenstücken bis zu Kochanleitungen gibt es ein breites Angebot. Manches eingekauft, immer mehr aber auch selbst produziert, nimmt die Bedeutung von bewegten Bildern für klassische Textmedien stetig zu.

Twitter, Facebook und Co.: Soziale Netzwerke bieten inzwischen die Möglichkeit, Videos einzubinden, zu teilen und hochzuladen. Ein neuer Trend sind Live-Übertragungen. Apps wie Meerkat oder Periscope ermöglichen Smartphone-Nutzern, mit der Kameras ihres Telefons live Bilder und Ton zu übertragen - ganz ohne Ü-Wagen und großem Aufwand.

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