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Lebensmittel kaufen bislang nur wenige im Internet

Online-Handel mit Lebensmitteln

Voller Kühlschrank per Mausklick

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München - Die meisten Münchner haben noch nie Fisch, Obst und Gemüse im Internet bestellt. Doch  Unternehmer glauben, dass sich das ändert – und eröffnen immer mehr Online-Theken. Vorerst aber bleibt der Handel mit Lebensmitteln im Netz ein Nischenmarkt.

„Grüß Gott, hier kommen die Steinbuttfilets“, sagt der Lieferant des Unternehmens Deutsche See. Er hat auch Ikarimi-Lachs dabei. „Der schmeckt besonders gut, wenn Sie Ahornsirup darüberträufeln“, rät er. Die Kundin hat den frischen Fisch per Mausklick gekauft, unabhängig von Ladenöffnungszeiten, vom Sofa aus.

Deutsche See ist nur eines von vielen Unternehmen, die derzeit in München ins Online-Geschäft mit Nahrungsmitteln einsteigen. Bislang versorgte die Pasinger Niederlassung nur Köche, die stets telefonisch ordern. Seit Ostern hat die Firma auch eine Online-Theke: „Damit wollen wir das Privatkundengeschäft erschließen“, sagt E-Commerce-Leiter Dominik Hensel. „Der Onlinehandel ist ein Wachstumsmarkt, in den wir einsteigen müssen.“

Dabei haben laut einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney zwei Drittel der Deutschen noch nie frischen Fisch, Obst und andere Nahrungsmittel im Internet bestellt. Der Anteil des Onlinehandels am Gesamtumsatz des Lebensmitteleinzelhandels liegt bei nur einem Prozent. Allerdings erwarten die Analysten bis 2020 einen Anstieg auf drei Prozent.

Auch wenn die Nachfrage damit noch immer gering ist: Das 2012 gegründete Unternehmen Freshfoods spürt, dass sie wächst. Gerade hat Freshfoods sein Lager in Laim erweitert. Die Kundenzahl variiere zwischen 5000 und 10 000, sagt Geschäftsführer Christian Altmeyer. Wie oft die Kunden bestellen, will er nicht verraten. Freshfoods liefert nur im Münchner Stadtgebiet. Und zwar bis Mitternacht, das volle Sortiment – von Knäckebrot über Nutella bis zu Klopapier. Das Unternehmen führt auch frische Minze, Äpfel und Gurken, doch die Nachfrage danach ist eher gering: „Den Kunden fehlt hier die Haptik“, erklärt Altmeyer. Deutlich besser als frische Ware verkaufe sich Verpacktes.

Auch der Handelskonzern Rewe beobachtet, dass online nicht jedes Produkt zieht. „Warenkategorien wie Wein, Drogerieartikel und Tiernahrung haben eine hohe Online-Affinität und laufen gut“, sagt Sprecher Raimund Esser. Seit 2011 bietet Rewe das komplette Supermarktsortiment online an. Der Mindestbestellwert liegt bei 40 Euro, hinzukommt eine Servicegebühr, die abhängig vom Lieferzeitpunkt bis zu 4,90 Euro kostet. Die Akzeptanz der Kunden wachse, sagt Esser. Denn es sei bequem, sich den Einkauf samt Getränken in den vierten Stock liefern zu lassen.

Der von Biobauern gegründete Onlinehandel Ökokiste bringt schon seit 1996 frische Ware auf Bestellung. „Kleinere Kundenzuwächse gab es bei Lebensmittelskandalen wie Dioxin in Eiern“, sagt Veronika Berghammer. „Aber der gesteigerte Zulauf flaute nach kurzer Zeit meist wieder ab.“

Warum die Münchner so zurückhaltend sind? Sunny Randlkofer von Dallmayr sagt: „Die Kunden müssen sich an diese Art des Einkaufens erst gewöhnen.“ Dallmayr hat zwar schon lange einen Onlineshop, aber nur für verpackte Ware wie Tee und Pralinen. Frische Produkte wie rohes Fleisch, Gemüse und Desserts liefert der Dallmayr Express Service erst seit einem Jahr und nur in München sowie dem Umland. Alternativ können Kunden auch nur online einkaufen und die gepackten Tüten später an der Pforte abholen.

Laut dem Kölner Institut für Handelsforschung krankt das Lebensmittelgeschäft im Netz vor allem daran, dass die Verbraucher Zweifel an der Frische der Produkte haben. Sie befürchten, die Kühlkette würde nicht eingehalten. Das wirkt sich auch auf den Absatz der eigentlich online-affinen Produkte aus: Wer Paprika im Supermarkt kauft, wird bei der Gelegenheit auch Katzenfutter besorgen. Außerdem fehle den Kunden die Möglichkeit zur Begutachtung der Ware vor dem Kauf. Weitere Hemmnisse seien ein hoher Mindestbestellwert und ein unpräziser Lieferzeitpunkt.

Die meisten Online-Händler haben die Probleme erkannt. Sie bieten klar definierte Lieferzeiten sowie die Möglichkeit, die Ware bei Nichtgefallen abzulehnen. Allerdings sehen Handelsforscher eine weitere Hürde: Deutschland hat – verglichen mit Skandinavien zum Beispiel – eine hohe Supermarktdichte. Und damit eine sehr gute Versorgung durch den stationären Handel.

Interessant ist, dass Internethändler anderer Branchen derzeit offline gehen: Amazon eröffnet laut Wall Street Journal demnächst ein Geschäft in New York. Das Online-Trachtenlabel Almliebe machte kürzlich seinen ersten Laden im Glockenbachviertel auf. Diese Händler haben erkannt, dass Einkaufen mehr ist als ein zeitraubendes Übel – nämlich ein Erlebnis.

Bettina Stuhlweißenburg

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