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Jon Rubinstein präsentiert auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas das Smartphone Palm Pre.

Palm setzt mit Pre alles auf eine Karte

San Francisco - Vor gut einem Jahr haben manche Experten kaum noch etwas auf den Taschencomputer-Pionier Palm gegeben.

Die Computer-Mobiltelefone von Palm aus der Treo-Baureihe konnten damals mit modernen Smartphones wie dem iPhone von Apple nicht mithalten.

Und das groß angekündigte Projekt Foleo für einen neuartigen ultramobilen Rechner wurde im Herbst 2007 wieder gestoppt. Nun will Palm beweisen, dass das Unternehmen an legendäre Produkterfolge wie den Palm Pilot, den ersten "Persönlichen Digitalen Assistenten" (PDA) für die Massen, wieder anknüpfen kann. Zusammen mit dem US-Mobilfunkprovider Sprint Nextel startet das kalifornische Unternehmen an diesem Samstag (6. Juni) die Vermarktung des Smartphones Palm Pre.

Hinter der Konzeption des Pre steckt Jon Rubinstein, der zuvor bei Apple für die Entwicklung des Musikplayers iPod zuständig war. Für die Entwicklung von Pre warb Rubinstein rund 250 Experten vor allem bei Apple und anderen Silicon-Valley-Firmen ab. Mit diesem Team wollte er ein Internet-Handy entwerfen, das es nicht nur mit dem iPhone oder den neuen Google-Handys aufnehmen, sondern die Vorbilder in manchen Bereichen auch übertreffen kann. Finanziert wird das letzte Aufbäumen von Palm vom Risikokapitalgeber Elevation Partners, der im Juli 2007 mehr als 300 Millionen Dollar in das angeschlagene Unternehmen investierte.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Bekannte IT-Journalisten in den USA wie David Pogue von der "New York Times" oder Walt Mossberg vom "Wall Street Journal" konnten den Palm Pre schon vor dem Marktstart testen ­ und verteilen durchweg gute Noten. "Der Palm ist ein spektakulärer Erfolg. Von Null auf hundert in der ersten Version", schreibt Pogue. Mossberg sieht in dem Pre ein "intelligentes und durchdachtes Produkt, das insbesondere diejenigen ansprechen wird, die sich (für ein Smartphone) eine physikalische Tastatur wünschen".

Im Gegensatz zum iPhone verfügt der Palm Pre nämlich nicht nur über eine virtuelle Tastatur, mit der sich etliche Vielschreiber nicht anfreunden können. Außerdem kann der Pre mehrere Programme gleichzeitig laufen lassen, was beim iPhone so nicht möglich ist. Weiterhin punktet der Palm Pre mit einer gelungenen Integration von Social Networks wie Facebook oder Netzdiensten wie Google Kalender.

Ob der Palm Pre nach den Vorschusslorbeeren der Kritiker auch einen großen Absatzerfolg erzielen wird, steht aber noch aus. Zum einen kann der Pre nicht überall mit dem iPhone mithalten. Da Palm den Software-Entwicklern nur eine extrem kurze Vorlaufzeit eingeräumt hat, werden zum Start des Pre kaum Zusatzprogramme verfügbar sein. Für das Apple-Handy dagegen werden inzwischen im iTunes-Store mehr als 40 000 "Apps" angeboten. Aufwendige Computerspiele aus der iTunes-Bestsellerliste wird es für den Palm Pre überhaupt nicht geben können, da das Palm-Gerät für grafiklastige Programme nicht geeignet ist.

Der von Sprint Nextel in den USA angebotene Palm Pre wird außerhalb der USA kaum eingesetzt werden können, da er auf der Basis des US-Mobilfunkstandards CDMA läuft. Eine Variante für Europa (GSM/UMTS) hat Palm zwar auf dem Mobile World Congress in Barcelona angekündigt. Für Deutschland wurden aber bislang weder ein Startdatum noch der Mobilfunkpartner für die Markteinführung bekanntgegeben.

Ungemach droht Palm auch vom Widersacher Apple. Zwei Tage nach dem Marktstart des Pre versammelt Apple am kommenden Montag (8. Juni) in San Francisco die Software-Entwickler zur World Wide Developer Conference (WWDC). Dort könnte Marketingchef Phil Schiller eine Neuauflage des iPhone vorstellen, die dem Palm Pre sofort wieder den Wind aus den Segeln nimmt.

Außerdem könnte Apple Palm vor Gericht ziehen. Der Palm Pre verwendet nicht nur die von Apple patentierte "Multitouch-Technologie" zur Steuerung des Smartphone mit mehreren Fingern. Vor einer Woche verkündete Palm überraschend, ausgerechnet die iTunes-Software von Apple auserkoren zu haben, um Musikstücke, Videos und Fotos zwischen einem Computer und dem Palm Pre auszutauschen. Damit der Abgleich zwischen dem Pre und iTunes funktioniert, tarnt sich das Palm-Gerät technisch gesehen als ein Musikplayer von Apple. Und wie das funktioniert, weiß der ehemalige iPod-Produktmanager Jon Rubinstein nur zu genau.

dpa

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