Es ist nicht, wie Sie denken

Die Wahrheit hinter "Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über Parship"

Hamburg - "Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über Parship." Haben Sie sich schon mal gefragt, was diese Aussage eigentlich bedeuten soll? Statistiker sagen: nichts als Blödsinn.

Partnerbörsen sind in. Der Zeitungsannonce und dem Speed-Dating haben die Online-Plattformen zugegebenermaßen einiges voraus: Eine größere Auswahl und das berühmte "Matching", quasi ein Ausleseverfahren, sorgen laut den Anbietern für eine ungemein größere Chance, seinen zukünftigen Lebensgefährten zu finden. "Wir kennen sie, die Formel für Ihr Liebesglück," sagt zum Beispiel Parship, laut der Website Deutschlands größte Partnervermittlung. Stiftung Warentest kürte das Portal im Februar erneut zum Testsieger unter den Single-Börsen. Im Dezember 2015 erhielt das Protal sogar noch eine weitere Auszeichnung, mit der sich die Partner-Agentur schmücken könnte. Dass sie sich jedoch hütet, dies zu tun, verwundert nicht. Es handelt sich nämlich um den Titel der "Unstatistik des Monats". Verliehen wird dieser "Preis" seit 2012 jeden Monat vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Mit der Vergabe des Titels "Unstatistik des Monats" möchten die Wissenschaftler laut einer Pressemitteilung jüngt publizierte Zahlen und deren Interpretationen hinterfragen. 

Sich verlieben bei Parship? Laut Wissenschaftlern eher unwahrscheinlich

Dazu stellen sie Überlegungen an und rechnen verschiedene Szenarien durch, die die bloßen Zahlen in Bildern veranschaulichen. "Mit etwas Wahrscheinlichkeitsrechnung entpuppt sich diese Aussage als Anti-Werbung," sagt Professor Thomas Bauer vom RWI zu dem Werbespruch von Parship. "Selbst wenn sich bei geschätzten rund 5 Millionen Mitgliedern in Deutschland sogar alle 10 Minuten zwei davon ineinander verlieben, somit aus dem Sucherpool ausscheiden und durch zwei neue Singles ersetzt werden, beträgt für ein zufällig ausgewähltes Mitglied die Wahrscheinlichkeit einer neuen Liebe pro Jahr kaum mehr als zwei Prozent."

Natürlich ist Professor Bauer nicht der erste, der bei den Angaben des Unternehmens stutzig wird und mit eigenen Mathematikkenntnissen nachrechnet. Viele machen sich auf Twitter und Facebook lustig über die Singlebörse, die den Mund so voll nimmt.

Interessant ist die Frage, woher das Unternehmen die Zahlen nimmt, aus denen es sich seinen bekannten Slogan zusammengebastelt hat. Parship zufolge stammt die Statistik aus einer Mitgliederbefragung. Wer seine Premium-Mitgliedschaft, also sein kostenpflichtiges Abo, kündigt, wird gebeten, den Grund für die Beendigung anzugeben. Angeblich gaben 2013 ganze 38 Prozent der "Aussteiger" an, die große Liebe gefunden zu haben und deshalb aus der Singlebörse ausscheiden zu wollen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass die restlichen 62 Prozent nicht fündig geworden sind. Man könnte also auch sagen: "Alle acht Minuten beendet ein Single die Premiummitgliedschaft ganz ohne Schmetterlinge im Bauch." Für diese 62 Prozent, genauso wie für alle, die einfach lieber auf die konventionelle Art ihr Glück versuchen, heißt es dann wohl weiterhin: Paarschippen statt Parshipen.

lg

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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