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Auch Spotify bietet personalisierte Playlists.

Musikdienste werden persönlich

Das passende Lied für jede Lebenslage

Berlin - Die Nutzer von Abo-Diensten brauchen Orientierung im praktisch unbegrenzten Musik-Angebot. Die Anbieter suchen nach dem richtigen Rezept. Der Trend geht zu personalisierten Playlists.

Der Sprung von der CD zur Musik aus dem Internet war erst der Anfang eines noch größeren Umbruchs. Mit den neuen Abo-Diensten haben die Nutzer plötzlich ganz legal Zugang zu nahezu jedem Lied der Welt - und brauchen Hilfe. „Einfach einen Verbraucher in einen Raum mit 30 Millionen Songs zu setzen und zu sagen, such' Dir heraus, was Dir gefällt - das funktioniert nicht“, sagt Thorsten Schliesche, Europachef beim Musik-Streamingdienst Napster. Schließlich fielen jedem auf Anhieb nur wenige Titel oder Bands ein.

Das „nächste große Ding“ im Musikgeschäft ist, den Nutzern die richtige Musik im richtigen Moment zu bieten. Die Anbieter erinnern fast an Alchimisten auf der Suche nach dem Rezept für Gold. Sie arbeiten unter Hochdruck an Computer-Algorithmen, setzen auf Menschen als Playlisten-Ersteller - oder kaufen zu. So schluckte Google jüngst den Dienst Songza, der passende Lieder für verschiedene Lebenslagen zusammenstellt. Nutzer der App können zum Beispiel zwischen „Musik zum Singen unter der Dusche“, zum Autofahren oder zum Joggen wählen. Der Preis soll laut Medienberichten knapp 40 Millionen Dollar betragen haben.

Napster verfolgt eine ähnliche Idee bei seinem Internetradio-Dienst UnRadio, der jetzt auch nach Europa kommt. Streaming-Marktführer Spotify kaufte den Empfehlungs-Spezialisten Echo Nest. Und auch Apple betonte beim drei Milliarden Dollar schweren Kauf des Kopfhörerspezialisten Beats ganz besonders die Qualität der vorbereiteten Playlisten in dessen Streaming-Service. „Manche anderen Dienste setzen nur auf Computer-Algorithmen, das funktioniert nicht“, betont Beats-Mitgründer Jimmy Iovine. Beats versuche, den Musik-Mix von Menschen mitbestimmen zu lassen, das mache den Unterschied aus.

Streaming-Dienste, bei denen die Musik direkt aus dem Netz abgespielt wird, machen zwar erst einen Bruchteil des weltweiten Musikmarkts aus. Nach Zahlen des Branchenverbandes IFPI erlösten die Abo-Angebote wie Spotify, Rdio, Deezer oder Napster im vergangenen Jahr 1,1 Milliarden Dollar bei insgesamt 28 Millionen Nutzern. Aber es war ein Umsatzsprung von 51 Prozent. Und so wie die Großen der Internet-Branche gerade in dieses Geschäft stürmen, bleiben kaum noch Zweifel, dass es als Zukunftsmarkt gesehen wird.

„Das Album verschwindet“, sagt Beats-Mitgründer Iovine. Ersetzt wird es von Abspiellisten aus einzelnen Songs - und die richtig zu erstellen, sei die wahre neue Kunst. Dabei gibt es auch ganz neue Fallstricke. „Man darf auch nicht zu sehr personalisieren: Wenn ich zum Beispiel einen Hip-Hop-Fan habe, darf ich ihm nicht nur die ganze Zeit Hip-Hop vorspielen“, erklärt Schliesche. „Es ist ein große Herausforderung, zu erkennen, welche Musik wir welchem Kunden wann präsentieren sollten.“

Die Konkurrenz ist groß. Allein in Deutschland gebe es 17 legale Streaming-Anbieter, von denen drei gemeinsam über 90 Prozent Marktanteil hielten, rechnet Schliesche vor. Dabei müssen gerade die kleinen unabhängigen Anbieter, die nicht auf große Konzernkassen zurückgreifen können, die Entwicklung der neuen Empfehlungsdienste aus einer recht schmalen Marge finanzieren. Rund 70 bis 80 Prozent der Einnahmen gehen immer als Lizenzgebühren auf direktem Wege an die Musikkonzerne, zeigen die Zahlen der Anbieter. Er würde sich langfristig niedrigere Gebühren wünschen, sagt Schliesche.

Allerdings klagen Künstler schon heute, sie verdienten mit den Streaming-Diensten drastisch weniger als mit CD-Verkäufen oder Downloads. Schliesche kontert, man müsse es als langfristiges Geschäft betrachten: „Wenn wir über einen Zeitraum von zehn Jahren nachrechnen, bin ich mir sicher, dass ein Künstler mit Streaming mehr verdient haben wird als mit CD-Verkäufen.“ Dafür fehlen in dem jungen Geschäft allerdings noch die Erfahrungswerte.

dpa

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