Patientin mit neuem Gesicht dankt Ärzten

- Paris - Mit dem Anflug eines Lächelns hat sich am Montag die weltweit erste Frau, die Teile eines fremden Gesichts erhalten hatte, der Öffentlichkeit gestellt.

Sie wolle jetzt "wieder ein normales Leben aufnehmen". Die Patientin dankte ihren Ärzten und Psychologen sowie der Familie der Spenderin. Die Operation könne auch anderen Menschen helfen, wieder ein neues Leben zu beginnen. "Inzwischen kann ich den Mund öffnen und essen. Seit kurzem fühle ich meine Lippen, meine Nase und meinen Mund", sagte sie.

Unterdessen teilten Dinoires Ärzte mit, die Erlaubnis für die nächsten fünf Gesichtstransplantationen beim französischen Gesundheitsministerium in Paris beantragt zu haben.

Dinoire sprach mühsam, weil sie ihren Mund noch nicht schließen kann. Sie wirkte anfangs etwas verunsichert, sprach dann aber mit fester, wenn auch schwer verständlicher Stimme. Die Französin war am 27. Mai 2005 von ihrem Hund im Gesicht schwer entstellt worden. Bei der Operation am 27. November erhielt sie das Unterteil des Gesichtes - ein Dreieck aus Nase, Mund und Kinnpartie - von einer hirntoten Organspenderin. Sie kann bereits wieder alleine essen, aber ihre Unterlippe noch nicht beherrschen.

Ruhig berichtete Dinoire, wie sie im Mai Tabletten genommen habe, "um zu vergessen", und ohnmächtig geworden sei. Während der Ohnmacht hatte der Hund ihr den unteren Teil des Gesichts abgebissen. Nach dem Erwachen habe sie vergeblich versucht, sich eine Zigarette zwischen die Lippen zu stecken, sagte Dinoire. Erst da habe sie "die Blutlache und den Hund daneben" bemerkt. Ein Blick in den Spiegel habe ihr das ganze Ausmaß der Verletzung gezeigt.

Der Chirurg Bernard Devauchelle verteidigte die Operation gegen Kritiker. Er zeigte ein Foto der Patientin mit offen liegenden Zähnen ohne Lippen. "Wir waren gleich von der Notwendigkeit des Eingriffs überzeugt." Dann beschrieb er die Rekonstruktion des Gesichts und die stundenlange Übertragung der Nerven, Muskeln und Gefäße. "Das war kein Vergnügen für die Patientin", sagte Devauchelle.

Diese Technik müsse noch "gefestigt werden", erklärte Devauchelle, "deshalb haben wir den Antrag (für fünf neue Transplantationen) im Rahmen eines klinischen Forschungsprojektes gestellt." Devauchelles Kollege Jean-Michel Dubernard sagte, sie wollten die neuen Techniken fördern, "um Menschen überall in der Welt Hoffnung zu geben."

Sieben Tage nach der Operation wurde Dinoire erstmals wieder durch den Mund ernährt. Am 18. Tag, kurz vor Weihnachten, zeigten rote Punkte an der Unterlippe eine Abstoßung des neuen Gewebes an, die medikamentös unterdrückt wurde.

"Mehr als zwei Monate nach der Operation zeigt sie objektive Zeichen der Wiedergewinnung des Gefühls", sagte Devauchelle. "Das ist herrlich, mehr als wir je zu hoffen wagten." Er zeigte Fotos, wie Dinoire ihre Hand an Kinn und Mund legte. "Jetzt gehört das Transplantat ihr vollständig." Der Heilungsprozess wird noch mehrere Monate erfordern.

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