Pflanzen gegen den Reizmagen

- Medikamente, die aus mehreren pflanzlichen Wirkstoffen zusammengestellt sind, werden immer mehr zur Behandlung von Magen-Darm-Problemen eingesetzt. Neue Studienergebnisse belegen einen positiven Effekt pflanzlicher Arzneien (Phytopharmaka) ebenso bei Depressionen wie bei so genanntem Reizmagen (typische Symptome sind Bauchkrämpfe, Sodbrennen, Übelkeit und Erbrechen).

<P>"Leider übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen im kommenden Jahr nicht mehr die Kosten für pflanzliche Arzneien", bedauert Michael Habs, Kuratoriumsvorsitzender des Komitees Forschung Naturmedizin in München. Zum 1. Januar 2004 tritt das so genannte Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) in Kraft.<BR><BR> Dann fallen nicht verschreibungspflichtige Medikamente grundsätzlich aus der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen heraus, der Patient muss sie selbst bezahlen. 99 Prozent aller pflanzlichen Arzneimittel sind davon betroffen.<BR><BR>"Verschreibungspflicht ist weder ein Qualitätssiegel noch ein Wirksamkeitsbeleg", erklärt Habs. Phytopharmaka seien rezeptfrei wegen ihrer guten Verträglichkeit, und nicht etwa, weil sie keinen Effekt hätten, betont der Naturheilmediziner.<BR><BR>Professor Gerard McGregor (Philipps-Universität Marburg) hat in einer Studie die Wirkung von pflanzlichen Kombinationsmedikamenten gegen Depressionen untersucht. "Bei leichten Depressionen kann eine Kombination aus Johanniskraut, Baldrian und Passionsblume die Beschwerden wirksam lindern." </P><P>Die Marburger Studie ergab, dass 83 Prozent der Patienten, die diese drei Pflanzenwirkstoffe einnahmen, eine nachhaltige Besserung ihrer Depression feststellten. Nur bei 13 Prozent der Patienten, die ein Placebo (Scheinmedikament) erhielten, hellte sich in derselben Zeit die Stimmung auf.<BR><BR> Vorteil der Kombinationsmittel sei, dass sie auch Angst und Unruhe lindern, sagt McGregor. Johanniskraut helle die Stimmung auf, Baldrian wirke beruhigend und die Passionsblume löse Ängste. "Und sie haben weniger Nebenwirkungen als klassische Antidepressiva". <BR><BR> An funktionellen Oberbauchbeschwerden - dem Reizmagen - leiden 30 Prozent der Bevölkerung zumindest zeitweise. "Es ist eine komplexe Krankheit, die oft schwer zu behandeln ist", sagt Hans-Dieter Allescher, Chefarzt für Innere Medizin am Klinikum Garmisch-Partenkirchen.<BR><BR>Als hilfreiche Therapie hat sich nach seiner Erfahrung eine Kombination aus neun Pflanzenextrakten mit Namen "STW 5" erwiesen, die unter anderem Kümmel, Süßholzwurzel, Kamille und Pfefferminze enthält.<BR><BR>Eine Doppelblindstudie der Klinik für Gastroenterologie der Universität Magdeburg ergab, dass STW 5 besser wirkt als ein Scheinmedikament.</P><P><BR>Experimentell wiesen Humanbiologen der Technischen Universität München nach, dass die Pflanzenkombination gleichzeitig die Muskulatur des Magens entspannen und seine Entleerung verzögern kann. "Ein Vorteil ist, dass sich die Wirkungen der einzelnen Pflanzenextrakte zu einem Gesamteffekt addieren", stellt Allescher fest.</P><P> </P>

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