Pillen und Pasten aus dem Netz

- Hamburg - Nicht jeder Mann möchte über seine Potenzprobleme mit dem Apotheker diskutieren, während Frau Nachbarin die Ohren spitzt. Auch mancher Teenager fürchtet neugierige Mithörer, wenn die erste Antibaby-Pillen-Packung über den Ladentisch geht. Der Medikamenten-Versandhandel im Internet ist dann eine Alternative die auch mit Preisvorteilen lockt. Zwar ist der Onlinevertrieb mit Medizin in Deutschland verboten, doch ausländische Anbieter haben in der Vergangenheit gerne die Marktlücke gefüllt, die das Gesetz gelassen hat.

<P>Bald sollen nach Willen des Bundesgesundheitsministeriums auch deutsche Anbieter ihre Medikamente online vertreiben dürfen. Die Apotheker leisten dagegen Widerstand und fürchten um die Qualität der Medikamente. Die Krankenkassen und der Gesetzgeber haben dagegen vor allem Kostenvorteile im Blick.<BR><BR>Die Online-Apotheke 0800DocMorris aus dem niederländischen Landgraaf ist bereits seit ihrer Gründung vor rund zwei Jahren auf dem deutschen Markt aktiv. Etwa 75 Prozent der Kunden sollen aus Deutschland kommen. Rund die Hälfte der mehr als 70 Mitarbeiter des Unternehmens sind nach eigenen Angaben pharmazeutisches Fachpersonal, darunter auch deutsche Apotheker. Der Versandhändler verspricht auf Grund wegfallender Rezeptgebühren Preise von bis zu 25 Prozent unter dem hiesigen Niveau.<BR><BR>Die Beratung läuft über eine kostenlose Telefonnummer. Die Nummer orientiert sich an dem Namen 0800DocMorris: Die Vorwahl 0800 steht für den gebührenfreien Anruf, dann drückt der Kunde die Tasten des Telefons mit den Buchstaben D-O-C-M-O-R-R-I-S. Sie stehen für die Ziffernkombination 3-6-2-6-6-7-7-4-7. Die Kunden können nach Vorlage eines Rezepts rund 60 000 zugelassene Originalpräparate per Post, Telefon oder Internet bestellen. Ausgeschlossen sind Betäubungsmittel, Tierarzneien und außereuropäische Importprodukte.<BR><BR>Die Bestellung ähnelt dem Vorgang auf anderen Verkaufs-Webseiten: Der Kunde registriert sich, wählt das Präparat mit Hilfe einer Suchfunktion aus und legt es in den so genannten Warenkorb, bis es zur Bestellung geht. Zum Schluss erhält er eine Bestätigung, die er mit dem Original-Rezept an die deutsche Adresse der Apotheke schickt. Wochentags bringt ein Kurier die Bestellung bis etwa 18.00 Uhr.<BR><BR>Bei gesetzlich Krankenversicherten bietet die Apotheke ein Kassenrezept vorausgesetzt - die Abrechnung mit einer Krankenkasse an, die diesen Vorgang akzeptiert. Das sind nach Aussagen des Doc-Morris-Mitgründers Ralf Däinghaus mittlerweile alle großen gesetzlichen Krankenkassen. Privat Krankenversicherte erhalten eine Rechnung. Das gesetzliche Handelsverbot umgeht der Händler mit einem Trick: Er trennt Bestellen von Liefern. Der Kunde beauftragt in einem gesonderten Schritt einen Kurier, den 0800DocMorris jedoch bereitstellt und bezahlt.<BR><BR>Als ein Gegengewicht zu 0800DocMorris sieht sich Aponet.de, ein Internetangebot der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) in Berlin. "Wir wollten zeigen, dass die Apotheken das auch können", sagt Aponet-Sprecherin Diana Vasapollo. Der Kunde kann online bestellen, muss das Medikament jedoch in der Apotheke selbst abholen. Der Durchschnitt liegt nach Aponet-Angaben bei rund 660 Vorbestellungen im Monat. "Nur die persönliche Arzneimittel-Abgabe durch pharmazeutisch qualifiziertes Apotheken-Personal kann höchste Arzneimittelsicherheit garantieren", sagt ABDA-Präsident Hans-Günter Friese.<BR><BR>Die Internetapotheke beschäftigt jetzt auch den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg. Der Deutsche Apothekerverband hatte gegen 0800DocMorris eine Einstweilige Verfügung erwirkt wegen Verstoßes gegen das Versandhandel-, Wettbewerbs- und Heilmittelwerbegesetzes. Die niederländische Firma beruft sich dagegen auf das Vertragswerk der Europäischen Union zum gemeinsamen Binnenmarkt. Dies erlaube auch im Arzneimittel-Handel den innereuropäischen Wettbewerb. Ein Urteil wird im Jahr 2003 erwartet.<BR><BR>Die Versandhandel-Befürworter haben mittlerweile in dem Bundesgesundheitsministerium einen starken Partner gefunden. Im Rahmen der Liberalisierung des Gesundheitsmarkts will es den Medikamentenversand per Internet zulassen. "Wir müssen die Rahmenbedingungen aber so gestalten, dass die strengen Kriterien der Apotheke vor Ort auch im Internet gelten", so eine Ministeriumssprecherin in Berlin. Dazu gehörten unter anderem die Vorlage eines Rezepts und die genaue Information des Verbrauchers über Arznei-Risiken.<BR><BR>Als sinnvolle Alternative zum herkömmlichen Medikamentenkauf sieht auch die Stiftung Warentest in Berlin die Onlineangebote von 0800DocMorris und Aponet.de. Sie warnt aber vor dem Bestellen bei internationalen Anbietern. Nach einer Untersuchung mit 22 Bestellproben von rezeptpflichtigen Medikamenten bei 16 zufällig ausgewählten Anbietern außerhalb der Europäischen Union kam sie vor zwei Jahren zu einem vernichtenden Urteil: zu teuer wegen hoher versteckter Gebühren, unzureichende Aufklärung über Risiken, kein Haftungsanspruch und möglicher Geldverlust.<BR>Viel geändert hat sich nicht: Noch immer werben die "Cyberkrämerläden" vor allem mit so genannten Lifestyle-Medikamenten. Dazu gehören verschreibungspflichtige Mittel wie Retin A gegen Akne, Viagra zur Potenzsteigerung, Propeica gegen Haarausfall oder Xenical zum Abnehmen.<BR><BR><P><P align=center>@ @ links @ links @ links @ links @ @</P>Bestellservice der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) <BR> www.aponet.deDie niederländische Internetapotheke <BR> www.0800docmorris.com</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mitarbeiter-Handbuch enthüllt! Das sind Facebooks geheime Lösch-Regeln
Hasskommentare und gewaltverherrlichende Videos sind auf Facebook stark verbreitet. Sätze wie „Ich hoffe, dich bringt jemand um.“ dürfen im Netz stehen bleiben. Das …
Mitarbeiter-Handbuch enthüllt! Das sind Facebooks geheime Lösch-Regeln
Game-Top-Ten: Wanderlust, Geschicklichkeit und Leben retten
Schöngeister und Hobby-Mediziner aufgepasst: Von schönen Animationen bis hin zu skizzenhafter Darstellung ist hier bildlich alles dabei. Thematisch geht es diese Woche …
Game-Top-Ten: Wanderlust, Geschicklichkeit und Leben retten
App-Charts: Hier bekommen frisch gebackene Eltern Hilfe
Baby, Rätsel oder Sport-Quickie: Breiter gefächert könnten die Apps der Woche kaum sein. Sowohl frisch gebackene Eltern als auch Rätselhelden werden das eine oder andere …
App-Charts: Hier bekommen frisch gebackene Eltern Hilfe
Konkurrenz für Pay-TV-Sender: Amazon Channels nun auch in Deutschland
Amazon hat sein Sortiment in Deutschland um die Amazon Channels erweitert. Dabei handelt es sich um ein Pay-TV-Angebot des Konzerns. Doch nicht alle Kunden können die …
Konkurrenz für Pay-TV-Sender: Amazon Channels nun auch in Deutschland

Kommentare