Pockenimpfung wirkt noch nach 75 Jahren

- Die Pockenimpfung wirkt einer US-Studie zufolge deutlich länger als bislang angenommen. Mehr als 90 Prozent der Geimpften hatten auch nach bis zu 75 Jahren noch Antikörper gegen das Pockenvirus im Blut.

<P>Eine - etwa durch einen Terroranschlag ausgelöste - Pockenepidemie würde daher vermutlich deutlich glimpflicher verlaufen als bislang befürchtet, schreiben Forscher um Mark Slifka von der Oregon Health & Science University in Beaverton im Fachjournal "Nature Medicine" (DOI: 10.1038/nm916). Allein in den USA seien 90 Prozent der Menschen über 35 Jahre gegen Pocken geimpft.</P><P>Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte die Pocken 1980 nach einer großen Impfkampagne offiziell als weltweit ausgerottet erklärt. Daher wird gegen die hochansteckende Viruskrankheit nicht mehr regulär geimpft. Frühere Studien hatten darauf hingedeutet, dass die Immunität innerhalb weniger Jahre stark nachlässt. Den neuen Ergebnissen zufolge wären jedoch bei einem erneuten Pockenausbruch noch die meisten der vor allem in den 70er Jahren geimpften Menschen immun.</P><P>Die Wissenschaftler hatten bei 306 Männern und Frauen, deren Impfung einen Monat bis 75 Jahre zurücklag, die Reaktion des Immunsystems auf das zur Impfung verwendete Vaccinia-Virus untersucht. Sie stellten dabei fest, dass zwar die Pockenabwehr der T-Zellen des Immunsystems innerhalb von 8 bis 15 Jahren auf die Hälfte sinkt. Über Jahrzehnte hinweg bleiben jedoch Antikörper gegen das Virus erhalten, die für einen Schutz sorgen. Dabei war es egal, ob die Probanden nur einmal geimpft worden waren oder Auffrischungsimpfungen erhalten hatten. Bisher wurde angenommen, dass wiederholte Immunisierungen den Abwehrmechanismus verstärken.</P><P>Das Vaccinia-Virus (VACV) ist mit dem Pocken auslösenden Variola- Virus nahe verwandt. Die Impfung mit den lebenden Viren hinterlässt eine charakteristische Narbe auf dem Oberarm. Ein Großteil der derzeit noch vorrätigen Impfstoffbestände besteht aus Zellmaterial, das von der Haut infizierter Kälber und Schafe abgekratzt wurde. Da die Vorräte bei einem Ausbruch kaum reichen würden und die Methode der Gewinnung wenig zeitgemäß ist, arbeiten Forscher an neuen Impfstoffen.</P><P>Eine Gruppe um Richard Weltzin von der Firma Acambis im US- amerikanischen Cambridge (Massachusetts) hat ein solches neues Vakzin entwickelt, das in Zellkulturen gezüchtet wird. Grundlage bildete ein bereits bekannter Impfstoff, das Dryvax-Vakzin, berichten die Wissenschaftler in "Nature Medicine" (DOI: 10.1038/nm917). Tierversuche und klinische Studien hätten gezeigt, dass der neue Impfstoff mindestens ebenso effektiv sei wie Dryvax und deutlich weniger Nebenwirkungen verursache.</P>

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