Blogger droht Haft

Pokémon Go: Blasphemie-Vorwürfe in Indien und Russland

Neu Delhi - Ein indischer Anwalt will Pokémon Go als gotteslästerlich einstufen lassen. In Russland droht einem Fan des Handy-Spiels derweil der Knast, weil er die virtuellen Monster in einer Kirche jagte.

Zur Begründung seines Blasphemie-Antrags führte Nachiket Dave am Mittwoch an, dass das Belohnen von Spielern mit virtuellen Eiern für neue Pokémon-Monster die religiösen Gefühle mancher Hindus und Anhänger der Religionsgemeinschaft der Jain verletzen könne, die vegetarisch oder gar vegan leben.

Das Auftauchen der virtuellen Eier sei vor allem dann problematisch, wenn der Spieler in der realen Welt gerade in einem Tempel sei, sagte der Anwalt. "Menschen in Tempeln Eier anzubieten, auch wenn dies in der virtuellen Welt geschieht, ist in hohem Maße anstößig und läuft auf Gotteslästerung hinaus", sagte Dave nach der Anhörung vor Gericht in Ahmedabad im Bundesstaat Gujarat. 

Der Anwalt, der die Klage für eine Privatperson führt, fordert eine Stellungnahme der Regierungen von Gujarat und der Bundesregierung in Neu Delhi sowie vom Pokémon-Entwickler Niantic in San Francisco.

Pokémon Go in der Kirche: Blogger droht Knast

Die russische Justiz geht unterdessen hart gegen einen Blogger vor, der in sich einer Kirche beim Spielen von Pokémon-Go gefilmt und die Aufnahmen ins Internet gestellt hatte. Ruslan Sokolowski drohen bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft. 

Sein am 11. August gepostete Video wurde auf Youtube bereits mehr als eine Million Mal angeklickt. Es zeigt Sokolowski vor dem Altar der Kathedrale auf dem Blut bei der Jagd nach virtuellen Pokémon-Monstern. Angeblich vergleicht er zudem Jesus mit den Monstern. 

Die Justiz wirft Sokolowski aus Jekaterinburg im Ural vor, die Gefühle der Gläubigen verletzt und zu Hass angestachelt zu haben. Wie die Ermittlungsbehörden am Dienstag mitteilten, wurde bei einer Hausdurchsuchung ein "Spionagestift" gefunden, mit dem der Verdächtige verdeckt Aufnahmen habe machen können. Dafür könnte Sokolowski für weitere vier Jahre ins Gefängnis gehen. Er sitzt seit zwei Monaten in Untersuchungshaft und wehrt sich dagegen.

Kremltreue Medien wie "Life News" zogen bereits Vergleiche mit dem Pussy-Riot-Fall. Die Punk-Gruppe hatte im Februar 2012 ein sogenanntes Punkgebet in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale aufgeführt, das sich gegen Staatschef Wladimir Putin richtete. Die Frauen wurden daraufhin wegen "Rowdytums" zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Ende 2013 kamen sie vorzeitig frei.

"Pokémon Go": Irre Monsterjagd mit Suchtpotenzial

Sokolowski, der sich offen als Atheist bezeichnet, veröffentlicht seine Ansichten in Videos und einem Magazin mit dem Namen "Nichts ist heilig". Der Sprecher der russische-orthodoxen Kirche, Wladimir Legoida, schrieb im sozialen Netzwerk Facebook, bei Sokolowski handele es sich keineswegs um eine Mitläufer, sondern um einen Gesinnungstäter, der im Stile der französischen Satirezeitung "Charlie Hebdo" arbeite und provoziere. 

Amnesty International nannte das Verfahren dagegen eine Farce. Die Menschenrechtsorganisation fordert die Freilassung des Mannes.

afp

Rubriklistenbild: © dpa

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