Polizeibeamte nutzen soziale Netzwerke für ihre Ermittlungen - Straftäter verraten sich dort manchmal selbst

Auf der Jagd nach virtuellen Spuren

Fahndungen und Ermittlungen der Polizei – oft ein aufwändiger Prozess, mit hohem Risiko. Immer häufiger nutzen Beamte ergänzend das Internet zur Ermittlung und Informationsbeschaffung.

Zudem um sich etwa „in der Jugendsprache, auf den neuesten Stand zu bringen“, sagt Sabine Knöll vom Polizeipräsidium Nordhessen. „Aber natürlich setzen wir das Medium auch in vielen anderen Bereichen ein.“ Wie genau eine Ermittlung via Internet aussehen kann, möchte Knöll aus taktischen Gründen aber nicht preisgeben.

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Twitter macht es Dieben leicht

Laut Polizeidozent Axel Henrichs von der Polizeischule Rheinland-Pfalz sind vor allem soziale Netzwerke, wie Facebook, MySpace oder MeinVZ wahre Fundgruben für polizeiliche Ermittlungen. Bei Vermisstenfällen, Amok- oder Suizidankündigungen, aber auch bei Absprachen von Hooligans, oder dem Vertrieb von Kinderpornographie müsse die Polizei laut Henrichs zusätzlich zu den traditionellen verdeckten Ermittlern unbedingt mehr verdeckte Ermittler im Netz einsetzen.

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Wichtige Hinweise könne man aus den sozialen Netzwerken auch zur Alibi-Überprüfung, zur Gewinnung von Fotos und zur Vorbereitung von Vernehmungen gewinnen. „In jüngster Zeit haben wir so beispielsweise die Vergewaltiger einer jungen Frau ausfindig gemacht und verhaften können“, berichtet Henrichs. Die Männer hatten sich im Internet mit ihrer Tat gebrüstet.

„Die Polizei will und muss internetfähiger werden,“ sagt auch der Göttinger Polizei-Vizechef Volker Warnecke. „Denn wo sich Täter tummeln, muss auch die Polizei sein.“

Auch in den USA ermittelt die Polizei zunehmend im Internet: Vor einigen Tagen ging den Beamten ein 17-jähriger Einbrecher ins Netz – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Der junge Mann brach in ein Möbelhaus im US-Staat Washington ein, und verbrachte dort fünf Stunden am Rechner. Unter anderem loggte er sich bei MySpace ein und versuchte online Diebesgut zu kaufen.

Das Bundesverfassungsgericht hat keine Bedenken, wenn Polizeibeamte in anmeldepflichtigen sozialen Netzwerken ermitteln: In dem Urteil zur Online-Durchsuchung im Februar 2008 befanden die Richter, dass nur explizit geschützte Daten nicht unbegründet durchsucht und gespeichert werden dürfen. Also Informationen die in geschützten Foren oder nur an akzeptierte Freunde weitergegeben werden. „Die Polizei ist verpflichtet Gefahren abzuwehren“, sagt Polizeidozent Henrichs. „Und das gilt auch für das Internet.“

Von Belinda Helm

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