Pollenautomat für Allergiker

- Pollen werden in den nächsten Wochen wieder zuschlagen: Mehr als zwölf Millionen Deutsche leiden an Pollenallergien. Der deutsche Wetterdienst (DWD) hat jetzt, in Kooperation mit dem Frauenhofer-Institut und der Universität in Freiburg, ein vollautomatisches Gerät entwickelt, das die kleinen Pflanzenpartikel artspezifisch erkennt und dadurch eine bessere Pollenflugvorhersage ermöglicht.

<P>"Allergien sind keine Bagatellerkrankungen", erklärt Wolfgang Klusch, Vizepräsident des deutschen Wetterdienstes. "Sie können chronisch werden und sogar lebensbedrohlich." Seit zwanzig Jahren gibt der DWD Vorhersagen über den Pollenflug der sechs allergologisch wichtigsten Blütenpollen heraus. Das sind Hasel, Erle, Birke, Süßgräser, Roggen und Beifuß. Die Vorhersage ist für Allergiker wichtig, die in der Blütezeit den Beginn und die jeweilige Konzentration der herumfliegenden Pollen wissen müssen. </P><P>Bisher gibt es gut 40 Stationen, die Pollenflug messen. Finanziert werden sie von der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst. Spezialisten bestimmen die unterschiedlichen Pollen unter dem Mikroskop. Diese Arbeit erfordert präzise Kenntnisse der Pollen-Anatomie. Nicht nur über die sechs allergologisch wichtigsten Pollen. Ein kostspieliges und zeitaufwändiges Verfahren, das die Augen leicht ermüden lässt und oft zu Fehlern führt. Die Vollautomatisierung ist schneller und macht die schwierige Arbeit der Botaniker überflüssig.<BR><BR>"Die Automatisierung verbessert die Qualität der Aussage, 90 Prozent der maschinellen Bestimmung ist korrekt ", meint Albrecht Brandenburg vom Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik. <BR><BR>Um die Pollen aus der Luft filtern zu können, wird eine definierte Luftmenge angesaugt. In dem Luftsog wird der Blütenstaub abgelenkt und aufgefangen. Unter UV-Licht können die Pollen von anderen Luftpartikeln unterschieden werden. Auch die Größenbestimmung ist wichtig, denn Pollen sind in der Regel ausgetrocknet und dadurch deformiert. Will man sie bestimmen, dann müssen sie ihre ursprüngliche, kugelige Form wieder annehmen. Das Gerät lässt die Pollen auf eine wasserhaltige Glycerin-Gelatineplatte rollen. In der Gelschicht sinken die Pollen nach einer kurzen Wärmebehandlung tiefer und schwellen durch Feuchtigkeitsaufnahme an. Nun wird das dreidimensionale Bild des Pollens von einem Bildverarbeitungsprogramm erkannt und bestimmt. </P><P>Auch die Menge der Pollen im Luftsog wird bestimmt - und das in kurzer Zeit.<BR><BR>Die Erfinder haben ein flächendeckendes Netzwerk dieser Messstationen im Blick. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,1 Millionen Euro gefördert. Wann der erste Pollenmonitor in Serie geht, ist allerdings noch nicht bekannt.<BR></P>

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