Pollen-Invasion nach langem Winterschlaf

- München - Ganz Deutschland sehnt den Frühling herbei - fast ganz Deutschland. Denn für die geschätzten zwölf Millionen Pollenallergiker in Deutschland ist damit die erholsame Zeit ohne gerötete Augen und laufende Nase vorbei. Erste Pollen fliegen bereits, und die Allergiker stellen sich jetzt auf eine wahre Blütenstaub-Invasion ein. Sie befürchten einen besonders starken Pollenflug, nachdem der Winter das Blühen der Pflanzen so lange hinausgezögert hat. Die Gefahr, dass der Heuschnupfen die Allergiker mit aller Gewalt trifft, "ist akut", bestätigt Professor Johannes Ring.

<P>Der Leiter der Haut- und Allergieklinik am Biederstein der Technischen Universität München will die Allergiker zwar nicht in Panik versetzen: "Der Pollenflug setzt nicht zwangsläufig verstärkt ein, nur weil der Winter so lange gedauert hat." Eines sei aber sicher: Mit dem Wind und der Wärme kommen die Pollen.</P><P>Der Deutsche Wetterdienst informiert Betroffene, welche Pollen wie stark fliegen. Damit er diesen Service anbieten kann, braucht er Hilfe: von "phänologischen Beobachtern". Phänologie heißt die Lehre, die sich mit den periodisch wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen in der Natur befasst. Die Beobachter erfassen Aussaat, Austrieb, Blüte und Reifezeit ausgewählter Pflanzen.</P><P>Maria Zeller aus Grafing (Kreis Ebersberg) ist eine dieser rund 1500 Blühbeobachter(innen) in Deutschland. Vor 20 Jahren übernahm die kaufmännische Angestellte diese Aufgabe von ihrem Vater. Sobald die ersten Pflanzen herauslugen, radelt sie los. Beginnen um Grafing Hasel, Rotbuche, Birke oder der Winterroggen zu blühen, schickt sie vorgedruckte Karten an den Wetterdienst. "Das geht jetzt schnell", vermutet die 54-Jährige. "Die Pflanzen sind in Wartestellung. Es kann sein, dass mit den ersten warmen Tagen gleich alles auf einmal blüht." Trübe Aussichten für Heuschnupfler. </P><P>Auch Maria Zellers Ehemann und ihre beiden Töchter sind heuschnupfengeplagt. Wundermittel kennt selbst die Blühbeobachterin nicht. "Die Betten werden halt nicht rausgehängt, und die Fenster bleiben nachts zu." </P><P>Ist der Frühling einmal da, sei es "für kausale Therapien" ohnehin zu spät, sagt Allergieexperte Johannes Ring. Dann könne man nur noch die Symptome bekämpfen. Dabei sei Heuschnupfen heilbar, sofern man den Winter für eine "allergenspezifische Immuntherapie" nutzt, auch "Hyposensibilisierung" genannt. Bei dieser Methode wird dem Körper wiederholt ein Allergen mit steigender Konzentration zugeführt, um ihm eine Überreaktion auf das Allergen abzugewöhnen. Angaben zur Heilungsquote differieren laut Ring zwischen 50 und 90 Prozent. Wichtig ist, bei den ersten Beschwerden einen Spezialisten aufzusuchen. "Heuschnupfen ist keine Bagatelle", warnt der Arzt. Schlimme Hustenanfälle und Asthma seien keine Seltenheit. </P><P>Bei Familie Zeller hat bislang keine Behandlungsmethode angeschlagen. "Man findet sich damit ab", sagt die Grafingerin. Sie macht Allergikern Mut für den Frühling: "Der Pollenflug kommt zwar verstärkt, zieht sich aber dafür nicht so lange hin."</P><P>Infos im Internet unter: </P>www.dwd.dewww.daab.de<P>Pollenflugvorhersage unter: </P>www.donnerwetter.de

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