Präsident auf Lebenszeit?

- Die Technische Universität München (TUM) hat ihrem Präsidenten als erste Hochschule eine unbegrenzte Wiederwahl ermöglicht. Ende September 2007 würde die zwölfjährige Amtszeit von Prof. Wolfgang A. Herrmann offiziell enden. Der TUM ist aber offenbar viel an der weiteren Präsidentschaft des 58-Jährigen gelegen: Bereits während der ersten Amtsperiode wurde seine Amtszeit von vier auf sechs Jahre angehoben.

Jetzt ändert die TUM ihre Grundordnung, sodass der Chemiker im Frühjahr erneut für den Vorsitz der Hochschule kandidieren kann.

"Die befristete Amtszeit sollte eine Präsidentschaft auf Lebenszeit verhindern", erklärt Markus Gnad, Sprecher des Wissenschaftsministeriums, die alte Regelung. Das neue Hochschulgesetz sei da flexibler: Die Präsidentschaft kann unbefristet verlängert werden, solange der Präsident turnusgemäß im Amt bestätigt wird. Laut Gnad ist die TUM die erste bayerische Hochschule, die die Regelung anwendet.

"Wir kommen sehr gut mit Herrn Herrmann aus", begründet Petra Kleiner ihr "Ja" zur verlängerten Präsidentschaft. Sie vertritt im Senat die Studierenden der TUM. Professor Heiner Bubb, Sprecher der Studiendekane, sagt: "Wir wollen das Pferd, auf das wir gesetzt haben und mit dem wir in der Exzellenzinitiative erfolgreich waren, nicht wechseln."

Einstimmig ist der Vorschlag vergangenen Mittwoch deshalb in den zuständigen Gremien angenommen worden. Laut Kleiner haben die Vertreter versucht, die Diskussion unabhängig von der Person Herrmann zu führen. Man müsse ja auch an die Zeit danach denken. Der Vorstoß zur unbegrenzten Wiederwahl stammt Kleiner zufolge von TU-Kanzler Albert Berger. Der Präsident selbst habe sich sehr zurückgehalten.

Bedenken über die neue Regelung äußert an der TUM öffentlich keiner. Die studentischen Vertreter regen jedoch ein konstruktives Misstrauensvotum nach Vorbild des Bundestags an, damit ein Präsident notfalls abgewählt werden kann. "Das wurde aber noch nicht besprochen", sagt Kleiner. Denn dazu bedürfe es einer Gesetzesänderung. Laut Gnad ist eine Abwahl mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Verwaltungsrat bereits jetzt möglich.

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