Praktikum: Viel Erfahrung, wenig Geld

- In den Semesterferien stehen Praktika bei vielen Münchner Studenten hoch im Kurs. Sie wollen Arbeitserfahrung sammeln oder bei Firmen "einen Fuß in die Tür" bekommen. Doch nicht immer werden diese Erwartungen erfüllt. Mancher fühlt sich nach kurzer Einarbeitung nur als billige Arbeitskraft ausgenutzt. Wer Enttäuschungen vermeiden will, sollte bei der Wahl des Praktikumsplatzes genau hinschauen.

"Bei Undercover-Recherchen in einer Werbeagentur sind wir unter anderem auf einen Fall gestoßen, in dem eine Teamleiterin gemeinsam mit fünf Praktikanten ein Projekt durchgeführt hat", berichtete Daniel Tapprogge vom DGB bei einem Info-Abend der Studentenvertretung an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Dies sei kein Einzelfall. Vielmehr gebe es in der Werbebranche derzeit einen Trend, Arbeit billig von Praktikanten erledigen zu lassen.Häufig sei ein Praktikum nichts anderes als "ein anderer Name für billige Ausbeutung", sagte auch Michael Müller von der IG Metall Bayern. In vielen Firmen arbeiteten Praktikanten, die die gleiche Arbeit wie fest angestellte, voll ausgebildete Kräfte machten, dafür aber nur ein Viertel bis ein Drittel des Geldes bekämen. Aus Müllers Sicht "obszöne Arbeitsverhältnisse".Dass Praktikanten "reguläre Mitarbeiter" ersetzen, hat auch der Münchner BWL-Absolvent Wolfgang Kirschner beobachtet. "Manche Firmen füllen ganze Abteilungen mit Praktikanten." Kirschner sieht das gleichwohl positiv. "Man kann dabei eine ganze Menge lernen." Er selbst habe in einem Auslandspraktikum bei einer Fluggesellschaft ein eigenes Projekt durchführen dürfen. "Das war toll. So war ich nie der Kaffeekocher", urteilt Kirschner.Auch Sinja Rodatz, die gerade ihre BWL-Diplomarbeit schreibt, fand es bei Praktika stets "sehr positiv, dass ich die gleiche Arbeit machen durfte wie ein Festangestellter". Weil ein Praktikant dafür mehr Zeit brauche, sei das niedrigere Gehalt gerechtfertigt. "Ich übernehme lieber eine Aufgabe, die mich fordert, als nur zu kopieren", so Rodatz.Bei Problemen Gespräch mit Vorgesetzten suchen

Wer sich als Praktikant ausgenutzt fühle, solle dies keinesfalls klaglos hinnehmen, rät Harro Honolka vom Institut "Student und Arbeitsmarkt" der LMU. Oft stecke kein böser Wille dahinter, wenn Praktikanten eine simple Aufgabe bekämen und dann im täglichen Stress vergessen würden. Ein Gespräch mit dem Chef sei oft hilfreich. Dabei solle ein Praktikant auch selbst Vorschläge für kleine Projekte machen, in die er seine besonderen Kenntnisse - etwa Fremdsprachen - einbringen könne. Am besten sei es, schon vorab die Inhalte und Bezahlung eines Praktikums abzusprechen. Dies sei sinnvoller, als später mit dem Arbeitsrecht zu drohen.

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