Preisträger Professor Peter B. Becker

- Ausgezeichnete Forschung trotz knapper Kassen

<P>Es ist kaum eine Woche her, dass Professor Peter B. Becker der Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft verliehen wurde. Auch wenn die mit 1,55 Millionen Euro dotierte Auszeichnung als wichtigster Forschungspreis in Deutschland gilt, gibt sich der Zellbiologe von der Ludwig-Maxilimians- Universität bescheiden. "Der Preisträger ist nur die Spitze des Eisbergs", sagt der 46-Jährige. "Er steht auf den Schultern vieler, höchst motivierter Mitarbeiter." </P><P>Mit deren Hilfe und anhand unzähliger Drosophila- Fliegen untersucht Becker die Organisation des Erbguts im Zellkern. "Im nur zehn Mikrometer großen Kern jeder Zelle ist in der zwei Meter langen DNA die gesamte Erbinformation des Menschen gespeichert. Das ist natürlich ein Verpackungsproblem", erläutert Becker. Eine Chromatin genannte Protein-Struktur organisiert und verpackt das Erbgut so, dass es in die Zelle passt. "Gleichzeitig übernimmt Chromatin auch das Informations- Management", erklärt der Lehrstuhlinhaber für Molekularbiologie weiter. Schließlich muss der Organismus zu jeder Zeit auf die Informationen zugreifen können, die für sämtliche Lebensvorgänge notwendig sind. </P><P>Dafür muss die verpackte DNA-Struktur von Enzymen jeweils an der richtigen Stelle geöffnet werden. Kommt es dabei zu Fehlern, kann Krebs entstehen. Becker erklärt: "Das geschieht zum Beispiel dann, wenn Gene, die verhindern würden, dass eine Zelle zur Tumorzelle wird, nicht abgelesen werden." Beckers Erkenntnisse könnten außer für das Verständnis der Tumor- Entstehung auch für Einblicke in die embryonale Entwicklung von Bedeutung sein. "Zwischen beiden Vorgängen gibt es viele Parallelen." </P><P>Gewöhnlicher Uni-Etat für Forschung zu gering </P><P>Mit dem Preisgeld, das er innerhalb der nächsten fünf Jahre investieren kann, will Becker die Ergebnisse aus der Forschung an den Fliegen nun systematisch auf den Menschen übertragen. </P><P>"Wir arbeiten dabei mit mehreren klinischen Forschungsgruppen zum Beispiel in Großhadern und am Hämatologicum der GSF zusammen", so der Preisträger. Dank des Leibniz- Preises könne dieses Projekt nun "gepusht" werden. Der gewöhnliche Etat der Universität sei dafür viel zu gering. "Der reicht gerade einmal, um die Einrichtung am Laufen zu halten." Deshalb will Peter Becker nun auch die Gelegenheit nutzen, um den Gerätepark seines Instituts an der Schillerstraße nahe des Innenstadt- Klinikums auf den neuesten Stand zu bringen. "Auf unserem Wunschzettel stehen zum Beispiel teure Spezialgeräte wie Mikroskope und Zentrifugen", berichtet er. </P><P>Ins Ausland abzuwandern, kommt für ihn trotz der oft knappen Forschungsgelder aber nicht in Frage. "Auch wir konnten und können hier gute Forschung betreiben", ist sich Becker sicher. "Das zeigt sich ja auch daran, dass wir den Preis bekommen haben." Als sehr angenehm empfindet es Becker, nun "ohne großen Vorlauf und mühsames Einwerben von Geldern Forschungsprojekte realisieren zu können". Gleichzeitig habe die Auszeichnung "eine gewisse Anspannung" zur Folge.</P><P> "Wir dürfen die hohen Erwartungen an unsere Arbeit, die mit dem Preis verbunden sind, nicht enttäuschen." </P><P>Strenge Regeln für Veröffentlichungen </P><P>Mit Blick auf die Frankfurter Forscherin Stefanie Dimmeler, die den Leibniz- Preis wegen Unregelmäßigkeiten bei eigenen Publikationen zunächst nicht angenommen hat, betont Becker: "Gerade bei der Forschung auf höchstem Niveau müssen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis unbedingt eingehalten werden. Die DFG hat vielfach strenge Forschungsregeln formuliert." Jeder, ob Preisträger oder nicht, der mit DFG-Geldern forscht, erkenne diese Regeln an. "Eine meiner Aufgaben als Arbeitsgruppenleiter ist es deshalb, sicherzustellen, das unsere Forschung nach diesen Regeln abläuft." </P><P>- zurück zum Haupttext</P>

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