Probiotik-Schutz im Stall

- Sind Probiotika ein Ersatz für Antibiotika im Tierfutter? Diese Frage untersuchen Tiermediziner der Freien Universität (FU) Berlin. Probiotika sind lebensfähige Bakterien und Hefepilze, die beim Menschen als Ergänzung zur Nahrung die Darmflora positiv beeinflussen, die Abwehr- und Leistungsfähigkeit steigern. Solche Effekte sind auch in der Nutztierhaltung erwünscht.

<P>Erste Ergebnisse der Untersuchungen an der FU haben jetzt gezeigt, dass Probiotika in der Schweinezucht durchaus die künftige Alternative zu inzwischen verbotenen Antibiotika im Futter sein könnten. "Unsere Versuchstiere haben weniger und kürzere Durchfallerkrankungen", berichtet der Sprecher des Forschungsprojekt, Prof. Ortwin Simon. Die Veterinäre beobachteten unter der Probiotika-Gabe auch einen gesteigerten Zuckertransport durchs Darmgewebe. Den dort siedelnden Bakterien stehen dadurch weniger energiereiche Nährstoffe zur Verfügung, während der Körper mehr aufnimmt.</P><P>"Zu unserer Überraschung zeigte sich auch eine Steigerung der Abwehrkräfte der Tiere", so Simon. In den oberen Gewebeschichten der Darmwand sei ein Anstieg von T-Helferzellen beobachtet worden, die bei Infektionen die notwendigen Antikörper produzieren.</P><P> Seit 3,5 Milliarden Jahren besiedeln Bakterien unseren Planeten. Im Kampf um vorhandene Nahrungsquellen haben die einzelnen Stämme äußerst wirksame Methoden entwickelt, um Wachstum und Vermehrung von Konkurrenten zu hemmen oder diese gar zu töten. Sie tun dies mit bestimmten Stoffwechselprodukten, Molekülmischungen, die als Antibiotika bezeichnet werden.</P><P>Auch wir Menschen sind von Bakterien besiedelt. Normalerweise kontrolliert unser Immunsystem die unterschiedlichsten Arten unserer Mitbewohner und sorgt unter ihnen für einen Status Quo. Gewinnt eine Art jedoch die Überhand, kann der Mensch krank werden.</P><P>Dem Bakteriologen Robert Koch gelang es als erstem, das antibiotische Verteidigungskonzept der Mikroorganismen für die Medizin nutzbar zu machen. Seither gehören Antibiotika zu den wirkungsvollsten Medikamenten überhaupt.<BR>Lange wurde aber die Intelligenz der Krankheitserreger unterschätzt. Bakterien durchschauen sehr rasch die Wirkungsweise einer gegen sie eingesetzten Substanz und entwickeln eindrucksvolle Gegenmaßnahmen innerhalb weniger Generationen. Jahrzehntelang mischten Landwirte dem Tierfutter Antibiotika bei, um krankmachende Bakterien im Zaum zu halten, und Wachstum und Futterverwertung ihrer Tiere zu verbessern. Folge: Die Bakterien wurden resistent.</P><P>Wird die erlernte Abwehrstrategie über die Nahrungskette auf den Menschen übertragen, versagen im Krankheitsfall gleichwirkende Medikamente. Der Vorteil der Tierzucht wird so zum Boomerang.</P><P>Die EU hat deshalb 1996 die meisten antibiotischen Futtermittelzusätze verboten. Auch vier noch zugelassenen Antibiotika droht das Aus. Um die Lücke zu schließen, werden mit Blick auf die positive Wirkung beim Menschen nun Probiotika im Stall eingesetzt. 19 Präparate sind in der EU vorläufig zugelassen. Noch fehlen aber gesicherte wissenschaftliche Daten. Die werden nun von den Tiermedizinern der FU erwartet, die dafür von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit 1,4 Millionen Euro gefördert werden. <BR></P>

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