Prüfungsstress im Justizpalast

- Je näher die Uhr auf halb neun zusteuert, desto unruhiger tippelt Marius Brenner (Name geändert) an diesem Montag vor Prüfungsraum 134 im Justizpalast an der Prielmayerstraße umher. Vier der acht je fünfstündigen Klausuren des Ersten Juristischen Staatsexamens hat er noch vor sich. "Nervös bin ich vor jeder Klausur", bekennt der 25-Jährige.

Er ist einer von 310 Jura-Studenten, die in diesen Tagen an acht Stätten - vom Justizgebäude in der Pacellistraße bis zum Fürstenrieder Bürgersaal - in München schriftlich geprüft werden. "Es ist seit Jahren der kleinste Prüfungstermin", sagt Elke Wanninger vom Landesjustizprüfungsamt (LJPA). In den letzten Jahren sei die Zahl der Kandidaten permanent gesunken. "Das liegt wohl am allgemeinen Rückgang der Studentenzahlen."<BR><BR>Wenn die Studenten am Donnerstag nach der letzten Klausur zu feiern beginnen, läuft beim LJPA die Korrektur an: 42 Rechtsgelehrte müssen je 50 Erst- und Zweitkorrekturen übernehmen, bis am 20. Juni die Briefe mit den Ergebnissen verschickt werden.<BR><BR>Beim Gedanken an diesen Termin zieht Student Brenner eine ernste Miene. Auch nach zwei Jahren Lernen ist er nicht sicher, ob er mit seinem Abschneiden zufrieden sein wird. Auch die Misserfolgsquote ist seit Jahren hoch: 30 Prozent fallen bei jedem Prüfungstermin durch. Nach zwei Fehlversuchen (wer nach acht Semestern den "Freischuss" wagt, hat einen Versuch mehr) gilt das Examen als endgültig nicht bestanden.<BR><BR>Jedes halbe Jahr bietet das Hochschulteam der Münchner Agentur für Arbeit deshalb ein Seminar für gescheiterte Rechtswissenschaftler an, das zum Beispiel Möglichkeiten zum Quereinstieg in andere Branchen aufzeigt. "Die Leute sind oft Ende zwanzig und haben bis zu sieben Jahre ins Studium investiert", berichtet Berater Werner Brendli. "Es wäre besser, wenn schon nach vier oder fünf Semestern eine Hürde ins Studium eingebaut würde", betont Brendli. "Dann sind die Leute noch jünger, falls sie scheitern sollten."

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