Pubertät ist kein Thema im Lehramts-Studium

- Schulprobleme, Konzentrationsbeschwerden, Lernschwächen und Verhaltensauffälligkeiten: Bereits in der fünften, sechsten Klasse setze bei Jugendlichen die schwierige Phase der Pubertät ein, berichteten Fachleute der Ärztlichen Akademie Bayern bei einem Symposium für Psychotherapeuten und Lehrer im Kloster Benediktbeuern. Das sei drei Jahre früher als noch vor zehn Jahren.

<P>"Warum der Prozess des Erwachsenwerdens seit etwa zehn Jahren immer früher beginnt, konnten wir noch nicht feststellen", sagt Manfred Endres, Psychoanalytiker aus München. Nachweisbar sei jedoch, dass die Schulen darauf zu wenig eingingen. Häufig passiere es deshalb, dass ein Schüler das Gymnasium verlassen müsse, dann aber über den Umweg Realschule doch noch zum Abitur gelange. "Diesen Umweg könnte man dem Kind ersparen, wenn Lehrer für diesen Prozess besser sensibilisiert wären", meint Endres.<BR><BR>Schüler werden immer schneller erwachsen<BR><BR>Das müsste an den Universitäten geschehen. Doch dort, so sagen die Fachleute, werde zu wenig getan, um die angehenden Pädagogen auf die seelischen Probleme ihrer Schüler vorzubereiten.<BR><BR>Dabei könne man im Unterricht die Probleme abfedern. Gerade durch die in der Pubertät häufig auftretenden Ess-Störungen sei es zum Beispiel sinnvoll, auch Buben Kochen beizubringen und verstärkt gesunde Ernährung zu lehren, sagt Markus Züger, Arzt für psychotherapeutische Medizin aus Bad Essen. "Regelmäßiges Entspannungstraining ist ebenfalls von großer Bedeutung", so Züger. <BR><BR>Themen wie Magersucht, Bulimie und Übergewicht seien auch in der Schule nicht zu vernachlässigen. "In der Pubertät muss das Selbstwertgefühl völlig neu definiert werden", so Züger. Buben versuchten das durch Alkoholkonsum und Rauchen zu kompensieren, Mädchen über das Essverhalten. "Wenn nur eine in der Klasse anfängt, eine Diät zu machen, machen plötzlich alle mit", sagt Züger.<BR><BR>Probleme der Eltern müssen nach Ansicht der Experten in der Zeit des Erwachsenwerdens ebenfalls berücksichtigt werden. Denn nicht nur Arbeitslosigkeit, Migration und Trennungen belasteten die Kinder, sondern auch Alkoholprobleme, Krebserkrankungen oder Depressionen. Endres: "Unsere Gesellschaft muss sich bewusst werden, dass man nicht nur dem Betroffenen helfen muss, sondern auch dem Kind. Sonst können Spätfolgen entstehen."<BR></P>

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