Pyramide in der Eiswüste

- Eisige Winde wehen über eine gefrorene Hochfläche irgendwo in der Antarktis. Die Sonne steht tief über der verschneiten Landschaft. Die Berge am Horizont werfen tiefe Schatten auf die weiße Wüste. Mitten in der Ödnis aus Schnee und Eis steht ein weißes, futuristisches Gebilde. Um den zeltartigen Bau, der auf drei Füßen steht, stapfen Forscher in roten Anzügen.

Ein Hubschrauber soll das Labor transportieren

Das Szenario sucht man bislang in der Antarktis vergeblich. Architekten der Technischen Universität München um Professor Richard Horden vom Lehrstuhl für Gebäudelehre und Produktentwicklung haben es am Computer entworfen. Doch so fern der Realität ist der Entwurf nicht. Die asymmetrische Pyramide in der weißen Landschaft ist eine Neuentwicklung eines mobilen Labors für Wissenschaftler in Polarregionen. "Wir wollten einen beweglichen Arbeitsplatz für Forscher konstruieren, den man in unwirtliche Gegenden der Erde mit dem Hubschrauber transportieren kann", erklärt Wieland Schmidt, der zusammen mit den Studenten Simone Hiesinger, Sandra Spindler, Michael Kehr und Eike Schling das so genannte PolarLab entworfen hat. In Zusammenarbeit mit dem Alfred-Wegener- Institut in Bremerhaven entstand entstand so in den vergangenen zwei Jahren ein futuristisches Kleinlabor, das bis zu drei Wissenschaftlern Platz zum Leben, Arbeiten und Schlafen bieten kann. Einen Prototypen des Labors haben die Architekten im Maßstab 1:1 in den Räumen der TU gebaut und dort ausprobiert, wie man die Einrichtung anordnen muss, damit drei Menschen gleichzeitig in der Kapsel Platz finden.

Anregungen und Erfahrungen für das Projekt haben die Münchner Architekten im Skihaus am Matterhorn gesammelt, das der Lehrstuhl dort auf 4000 Meter Höhe vor drei Jahren aufgestellt hat. Die Konstruktion ist dem PolarLab sehr ähnlich. "Wir haben dort oben mehrere Nächte verbracht und uns überlegt, wie wir am besten die Innenausstattung und die Technik konzipieren, um das Überleben der Menschen unter den extremen Bedingungen zu sichern", sagt Wieland Schmidt. Einige Ideen haben sich die Architekten auch in der Studentenstadt Freimann bei den so genannten MicroCompact- Homes geholt. Dort wohnen sechs Studenten ebenfalls auf engstem Raum, jeweils in Würfeln mit rund 2,5 Meter Seitenlänge. Die MicroCompact Homes sind ebenfalls eine Entwicklung von Professor Richard Hordens Lehrstuhl.

Ob das PolarLab jemals in der Antarktis zum Einsatz kommt, ist ungewiss. Denn das Konzept ist so revolutionär, dass es eine komplette Umstellung der Forschungsgewohnheiten bedeuten würde. Heute werden in Polarregionen schwere mobile Container eingesetzt, die mit Pistenraupen an den Einsatzort geschleppt werden müssen.

Einen Erfolg können die TU-Architekten aber für sich verbuchen: Beim Bau der nächsten fest installierten Forschungsstation des Alfred- Wegener-Instituts werden sie bei der Konzeption mit von der Partie sein. Das haben ihnen die Wissenschaftler aus Bremerhaven versprochen.

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