Die Qual mit Hallux valgus

- Die Damenschuhmode des kommenden Sommers ist vielen Ärzten ein Dorn im Auge. Denn sie setzt auf spitze und schmale Formen. "In 20 Jahren, wenn sie der Schuh drückt, kommen die Frauen dann zu uns", sagt Dr. Daniel Frank, Präsident der Deutschen Assoziation für Orthopädische Fußchirurgie.

<P> Orthopäden schätzen, dass etwa acht Millionen Frauen in Deutschland unter dem so genannten Ballenzeh (Hallux valgus), wobei der große Zeh nach außen abweicht. Er ist die häufigste Zehenfehlstellung in der westlichen Zivilisation. Die Fehlstellung kann zwar auch angeboren sein. Doch in den meisten Fällen ist sie Folge falschen Schuhbewusstseins. Männer sind deutlich seltener betroffen. Frank: "Hauptverursacher ist die Schuhmode der Damen. In Ländern, in denen Frauen keine oder offene Schuhe tragen, ist der Ballenzeh selten." </P><P>Zu enge Schuhe drücken den großen Zeh nach außen. Mit der Zeit ändern die Muskeln, die ihn sonst gerade halten, ihre Zugrichtung: Eine permanente Abweichung entsteht. Schuhe mit hohen Absätzen verstärken die Bildung eines Hallux valgus, da sie die Körperlast nach vorn auf die Zehen verlagern. <BR><BR>"Häufig besteht ein rein kosmetisches Problem", so Frank. "Schmerzen haben die Patientinnen meist erst mit 50 oder 60 Jahren." Sie beginnen in der Regel am hervorstehenden Ballen des großen Zehs: Zu enge Schuhe reizen die Haut und den darunter liegenden Schleimbeutel. Im weiteren Verlauf bildet sich oft eine chronische Entzündung. Auch das Zehengrundgelenk kann sich aufgrund der Schiefstellung abnutzen und seine Beweglichkeit abnehmen.<BR><BR>"Der Hallux valgus soll nur bei Beschwerden operiert werden", sagt Prof. Reiner Gradinger, Direktor der Klinik für Orthopädie am Klinikum rechts der Isar der TU München. Denn eine Korrektur berge auch Risiken, zum Beispiel könne sich die Abnutzung im Grundgelenk verschlimmern. <BR><BR>"Einlagen und regelmäßige Fußgymnastik können lediglich in frühen Stadien und bei leichten Fällen eine Verschlechterung des Hallux valgus aufhalten", sagt Dr. Michael Magin, Leiter der seit kurzem eingerichteten Abteilung für Fußchirurgie an der Münchner Klinik für Ästhetisch-Plastische Chirurgie. "Nur eine Operation kann die Großzehe wieder gerade richten."<BR><BR>Etwa 150 Operationstechniken sind bekannt, die sich zum Teil nur minimal unterscheiden. "Ziel einer jeden Operation soll sein, das Zehengrundgelenk zu erhalten", erklärt Frank. Jeder auch noch so ausgeprägte Hallux valgus könne operiert werden. Bei schweren Formen gelinge es jedoch nicht immer, die Fehlstellung völlig zu beheben. Es kann auch zu Rückfällen kommen.<BR><BR>"90 Prozent der Patienten sind nach dem chirurgischen Eingriff mit dem Ergebnis zufrieden", schätzt Prof. Reiner Gradinger. In etwa 30 Prozent der Fälle bilde sich nach der Operation jedoch erneut ein Hallux valgus. </P><P>Rückfälle entstehen meist, wenn Patienten in alte Gewohnheiten zurückfallen, so Frank. Um den Hallux valgus zu verhindern, sind Schuhe mit genügend Zehenspielraum und flachen Absätzen wichtig.<BR><BR>Dies sei zwar angesichts der Mode utopisch, so Frank: "Aber Frauen sollen wenigstens ab und zu ihren Füßen eine Pause gönnen und nur bei bestimmten Anlässen hochhackige und spitze Schuhe anziehen." <BR><BR></P>

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