Radioaktiver Ballon tötet Krebszellen

- Wenn sich im Gehirn eine bösartige Geschwulst (maligner Hirntumor) bildet, ist nicht nur Lage und Größe des Tumors und das Alter des Erkrankten maßgebend für einen Behandlungserfolg. In bis zu 80 Prozent der Fälle kommt es nach der Tumorentfernung zu einem Rezidiv (die Geschwulst wächst nach, weil Krebszellen sich bereits in das umgebende, scheinbar gesunde Gewebe abgesiedelt haben). Weltweit wird daher nach neuen Krebstherapien gesucht, die dies verhindern oder wenigstens auf Jahre hinauszögern können.

<P>Große Hoffnungen setzten die Neurochirurgen in zwei deutschen Kliniken in eine neue, in den USA entwickelte Form der Strahlenbehandlung direkt im Tumorherd. <BR><BR>Die ersten Patienten Europas sind mit dem "GliaSite Radio Therapie System" (RTS) in der Neurochirurgie und Strahlentherapie des Klinikums Saarbrücken behandelt worden. Jetzt wird die Methode auch im Münchner Krankenhaus Schwabing angewendet.<BR> Das Verfahren wird während der Operation eingesetzt, sobald der Tumor weitgehend entfernt worden ist. </P><P>Ein luftleerer Ballon, in den ein Katheter mündet, wird in die Tumorhöhle eingelegt, das andere Ende des Katheters auf dem Schädelknochen unter der Kopfhaut platziert. Dann wird der Ballon zunächst mit einem Kontrastmittel und einer Salzlösung gefüllt, damit der Arzt über Bildaufnahmen im Kernspintomographen kontrollieren kann, ob der Ballon sich der Tumorhöhle angepasst hat.<BR><BR>Die Kontrastmittellösung wird durch eine den Tumor zerstörende radioaktiv strahlende Flüssigkeit ersetzt. Diese Flüssigkeit bestrahlt das umgebende Gewebe, in dem weiterere Tumorreste vermutet werden. Je nach Tumorart und -größe bleibt die Lösung zwischen drei und sieben Tagen in dem Ballon, um eine bestimmte, vorausberechnete Strahlungstiefe zu erreichen. <BR>Nach der Therapie wird der Katheter in einem kleinen Eingriff wieder entfernt. <BR><BR>Durch die neue Methode der Bestrahlung von innen heraus wird das für ein Nachwachsen des Tumors besonders gefährdete Gewebe rund um die entfernte Geschwulst gezielt mit einer relativ hohen Dosis behandelt. Nebenwirkungen wie Übelkeit und Schlappheit entsprachen nach bisherigen klinischen Erfahrungen anderen Tumorbehandlungen. "Schädigungen anderer Zonen, wie der Kopfhaut oder des gesunden Gehirngewebes werden jedoch auf ein Minimum begrenzt", erklärt Dr. Dieter Sackerer, Chefarzt der Neurochirurgischen Abteilung. </P><P>"Auch bereits bestrahlte Patienten haben mit diesem Verfahren wieder eine gute Therapiemöglichkeit", sind Sackerer und seine an der Krebsbehandlung beteiligten Kollegen, Prof. Klaus Kempken (Nuklearmedizin) und Prof. Ralf Rohloff (Strahlentherapie) überzeugt.</P><P> </P>

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