Rätsel auf der Isolierstation

- München - Die mysteriöse und potenziell tödlich verlaufende Lungenerkrankung SARS hat am Freitag offenbar München erreicht: Ein 72-jähriger Mann wurde mit schweren Symptomen ins Schwabinger Krankenhaus eingeliefert. In der Klinik waren vor dem Wochenende für die anfragende Presse die "Schotten dicht".

Die Ärzte auf der Isolierstation wollen den ersten Verdachtsfall mit der gefährlichen Lungenentzündung SARS (Schweres Akutes Atemwegssyndrom) wohl erst genauer untersuchen, bevor es öffentliche Stellungnahmen gibt. Am Montag, so hofft Bayerns Gesundheitsministerium, werde eine sichere Diagnose vorliegen.<BR><BR>Doch wenn auch das öffentliche Interesse groß ist, es besteht keinerlei Grund zu irgendwelchen Ängsten. Denn der Fall des 72-Jährigen, der auf der Schwabinger Isolierstation liegt, hat auf jeden Fall nichts zu tun mit den bisherigen Erkrankungen in Deutschland. Der Mann kam erst am 19. März aus Hongkong, und dort grassiert seit Wochen diese merkwürdige Lungenentzündung.<BR><BR>Die notwendigen Schutzmaßnahmen für das Personal in der Klinik sind auf der Station Routine. Ohnehin überträgt sich diese Form der Lungenentzündung nur bei engem Kontakt. Daher wird auch nicht nach den übrigen Fluggästen aus Hongkong gefahndet.<BR><BR>Die häusliche Quarantäne für die Mitreisenden des SARS-kranken Arztes aus Singapur, der mit seiner Frau und der Schwiegermutter in der Frankfurter Universitätsklinik behandelt wird, ist inzwischen aufgehoben werden. Im Fall einer in Würzburg unter Quarantäne gestellten Frau war bereits am Mittwoch Entwarnung gegeben worden: In ihrem Blut wurden keine der mutmaßlichen SARS-Erreger gefunden.<BR><BR>Dem kranken Ehepaar aus Singapur geht es inzwischen sehr viel besser. Die Schwiegermutter ist "so gut wie gesund", so die Behörden.<BR><BR>Weltweit wurden laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bisher 306 SARS-Fälle bekannt, doch Experten schätzen, dass es mehr Erkrankungen gibt. Zehn Menschen starben bisher. <BR><BR>Die WHO, die noch keine Entwarnung geben will, hat eine Untersuchungskommission nach Peking entsandt, um die Umstände der Infektion zu klären, die möglicherweise ihren Ursprung in der chinesischen Provinz Guangdong hat, wo bereits im November eine ähnliche Infektionswelle ausbrach.<BR><BR>SARS ist vor allem in Hongkong, Singapur, China und Vietnam aufgetreten, doch wurde die Krankheit von Reisenden auch nach Kanada und Rumänien eingeschleppt. Dass der Auslöser ein Paramyxovirus ist, muss laut Robert-Koch-Institut noch abgeklärt werden. Das RKI hat eine Ärzte-Hotline eingerichtet: 01888-754  3536 (Montag bis Freitag 8.30 bis 17 Uhr).<BR> 

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