Rathaus durch Vereisung angehoben

- Bis zu minus 37 Grad Celsius kalt war die Sole aus Wasser und viel Salz, die Geotechniker der Technischen Universität München (TUM) in das Gestein unter dem Münchner Rathaus mit Kühlaggregaten pressten, um es zu vereisen. Der Grund: Das Team hatte im Untergrund den Boden rund um die Bauarbeiten an den neuen U-Bahn-Verbindungstunneln im Untergrund eingefroren, damit die Ingenieure gefahrlos bauen konnten.

<P>Der Boden unter dem Rathaus hat den Geotechnikern vom Lehrstuhl für Grundbau, Bodenmechanik und Felsmechanik der TUM, unter der Leitung von Professor Norbert Vogt, viele neue Erkenntnisse gebracht. Während die Bauarbeiten an den beiden neuen U-Bahn-Verbindungstunneln noch andauern, werten die Ingenieure ihre Daten, die sie auf der Baustelle im Sommer beim Vereisungsprojekt gewonnen haben (wir berichteten), bereits aus. <BR>"Wir hatten den Boden in gut 15 Meter Tiefe unter dem Rathaus eingefroren, damit das lockere Sedimentgestein mehr Festigkeit beim Tunnelbau erhält", erklärt Christian Kellner vom Lehrstuhl für Geotechnik.<BR><BR>Um vier Millimeter nach oben geschoben</P><P>Bei der Vereisung dehnte sich der Boden unmittelbar darüber um etwa 1,2 Zentimeter aus, das höher liegende Rathaus wurde dabei um vier Millimeter angehoben. "Für das Gebäude und die Menschen dort bestand aber keine Gefahr", sagt Kellner.<BR><BR>Das Geotechnik-Projekt - in dieser Form einmalig ist in Deutschland - ist jetzt abgeschlossen. "Wir haben damit einen wichtigen Schritt bei der Erforschung des Wärme- und Massentransports im Boden getan", so der Ingenieur. "Zudem können wir in Zukunft Hebungen im Vorfeld einer Vereisungsmaßnahme besser abschätzen."<BR>Mit der Vereisung können die Ingenieure verhindern, dass sich beim Tunnelbau Gesteinsmaterial von den Wänden löst und Menschen, die dort gerade graben, gefährdet.<BR><BR>Für den Versuch der TUM-Geotechniker waren aber neben den Experimenten vor Ort auch zahlreiche Laborversuche am Lehrstuhl nötig.<BR><BR>"Unter dem Rathaus liegt eine acht Meter dicke Schicht aus Schotter, den die Gletscher dort ablagerten; darunter, bis zu den Tunneln, liegen Sande und Löß", erklärt Kellner. <BR><BR>Diese Sedimente reagieren unterschiedlich auf die Vereisung. "Im Labor haben wir die Sedimentproben heruntergekühlt und gemessen, wie weit sie sich ausdehnten und wie schnell das geschieht."<BR><BR>"Unsere Studien sind auch wichtig für das Verformungsverhalten von Gesteinen in Regionen der Erde, in denen der Boden ständig auftaut und gefriert", sagt Kellner. "Besonders beim Pipeline-Bau in Alaska oder Sibirien könnte dieses Wissen in Zukunft sehr nützen."</P>

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