Raus aus den Wärmestuben

- Der Präsident der Technischen Universität München (TUM), Wolfgang A. Herrmann, hat die Ausrichtung der deutschen Universitäten scharf kritisiert. "Längst überfällig ist eine mehr internationale Orientierung", sagte Herrmann in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Die TUM selbst will sich jetzt verstärkt nach Asien öffnen. "Wir müssen raus aus den heimischen Wärmestuben, an die sich viele in unserem Land gewöhnt haben", sagte Herrmann bei der Besiegelung einer Partnerschaftschaft mit der Tsinghua-Universität Peking.

<P>Um international mithalten zu können und um ein Abwandern der besten Studenten zu verhindern, müssten attraktivere Studienangebote geschaffen werden. Bisher seien die Anreize für die klügsten Köpfe der Welt, in Deutschland zu studieren, mangelhaft, meint der TUM-Chef.<BR><BR>"Unis zum Teil wie ein Vermessungsamt."</P><P>Schuld daran sei nicht nur die dramatische Unterfinanzierung der deutschen Hochschulen - Herrmann beziffert sie auf drei Milliarden Euro. Schlecht sei auch ihre Organisation. Dort herrsche eine Behörden- statt einer Unternehmensstruktur: "Zum Teil wird da gearbeitet wie im Vermessungsamt." Die Unis bräuchten einen Bewusstseinswandel. Der Staat möge diese Entwicklung steuern, statt in das tägliche Geschäft hineinzukruschen.<BR>Der Uni-Standort München habe zudem speziell das Problem, dass ausländische Studenten unzureichend betreut würden. Es gebe sogar enorme Schwierigkeiten, Wohnraum zur Verfügung zu stellen: "Das erweckt den Eindruck mangelnder Gastfreundschaft."<BR><BR>Zumindest die chinesischen Studenten hat das bisher nicht abgeschreckt. Das Interesse am Studium im Freistaat ist gewachsen: 1950 Studenten aus Fernost waren allein im vergangenen Jahr an bayerischen Unis eingeschrieben. 200 davon starteten ein Informatik-Studium an der TU.<BR><BR>Die TUM will im Rennen um die besten Köpfe noch attraktiver werden. Mit der nun besiegelten strategischen Allianz mit Peking will Herrmann die TU weiter öffnen. Der Vertrag sieht vor, dass der Studenten-Austausch in allen Fächern besser gefördert werden soll. "Das wird eine ganz bevorzugt behandelte Partnerschaft", versprach Herrmann, der Ministerpräsident Edmund Stoiber auf dessen China-Reise begleitet hatte.<BR><BR>Geplant ist auch ein verstärkter Austausch von Wissenschaftlern. Die chinesche Partner-Uni zählt zu den drei angesehensten Hochschulen des Riesenreiches. Herrmann will sogar eine TU-Filiale in China öffnen - wie in Singapur. In dem südostasiatischen Stadtstaat betreibt die TU das Deutsche Institut für Wissenschaft und Technologie.<BR>Auch die Uni Augsburg wird einbezogen. Hier wurde ein Partnerschaftsabkommen mit der Universität Qingdao in Bayerns prosperierender Partnerprovinz Shandong geschlossen. Schwerpunkt soll der Austausch in den Bereichen Ernährungs- Material und Umweltwissenschaften sein. "An der Präsenz in den Metropolen Asiens entscheidet sich unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit", sagte Herrmann in Peking.<BR><BR>Auf Dauer allerdings werde man solche Engagements nicht mit einem kostenlosen Studium hinbekommen, erneuerte er seine Forderung nach sozial verträglichen Studiengebühren. In anderen Ländern sei das längst üblich. Selbst die Studenten aus Asien, sagte Herrmann, empfänden es als "suspekt", kostenlos zu studieren.</P>

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