Der Rechner im Sitzkissen

- Der Spaß bleibt beim Anschauen von Digitalfotos oft auf der Strecke: Ganze Familien drängen sich hinter kleinen Laptop-Bildschirmen. Wer schräg auf das Display blickt, sieht gar nichts. Doch das könnte bald der Vergangenheit angehören: Im Wohnzimmer der Zukunft erscheinen Digitalfotos auf einem LCD-Bildschirm im Couchtisch. Wer eine Urlaubsaufnahme in Großformat sehen will, tippt einfach mit dem Finger auf den Tisch - schon leuchten Sonne und Palmenstrand auf einem Display in der Wand.

Im Keller des Informatik-Instituts an der Amalienstraße gibt es dieses Wohnzimmer der Zukunft schon. Professor Andreas Butz und seine Mitarbeiter von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) haben es aufgebaut. Computer gibt es dort in allen Wohnräumen. Nicht als graue, klobige Kisten wie in heutigen Arbeitszimmern, sondern als unsichtbare Bauteile in Tischen, Wänden oder sogar Sitzkissen.

"Rechenleistung wird bald allgegenwärtig sein wie heute Strom oder Wasser", prophezeit Medieninformatiker Butz. "Ubiquitous computing" nennen Fachleute diesen Trend - die Computer sind überall.

Zum Beispiel in dem "Display Cube" von Professor Heinrich Hußmann, dem Lehrstuhlinhaber für Medieninformatik an der LMU. Die sechs Seiten dieses Lernspielzeugs für Kinder bestehen jeweils aus einem Mini-Display. Im Inneren befindet sich ein Schwerkraftsensor. Wenn auf einer Seite eine Aufgabe erscheint, muss das Kind die Fläche mit der richtigen Antwort nach oben drehen und den Würfel schütteln. Der Mini-Computer zeigt an, ob die Antwort richtig war, und projiziert die nächste Frage auf die oben liegende Seite.

An Gegenständen wie diesem wird eine wichtige Aufgabe der Medieninformatiker deutlich. "Die Menschen haben eine Erwartung daran, wie ihre Umgebung funktioniert", erklärt Hußmann. Man könne nicht verlangen, dass der Alltagsmensch sich mühsam mit der Bedienung jedes einzelnen Geräts vertraut mache. Schließlich sollen die Mini-Computer ja ein Beitrag zu einer "menschenfreundlichen Umgebung" sein, betont Butz.

Ein einheitliches Bedienkonzept wie beim heutigen PC könne es bei den vielen denkbaren Anwendungen des "ubiquitous computing" allerdings nicht geben, meint Butz. Stattdessen soll die Bedienung möglichst intuitiv funktionieren - wie beim Lernwürfel durch Schütteln. Damit das gelingt, beziehen Hußmann und Butz auch Designer und Psychologen in ihre Entwicklungen ein.

Die Gefahr von  Daten-Missbrauch wächst

Eine weitere Herausforderung für die Medieninformatiker ist die Datensicherheit. In gemeinsamen Forschungsprojekten mit Juristen entwickeln sie Sicherheits-Standards. Denn mit der Zahl der Computer steige auch die Gefahr des Daten-Missbrauchs. "Wenn man sieht, was zum Beispiel allein auf dem Handy an Informationen über mein Alltagsleben vorliegt, kann einem schon unheimlich werden", gibt Hußmann zu.

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