+
Totschweigen hilft nicht: Rechtsextremistische Seiten sollten offen reklamiert werden, empfehlen Experten. Foto: Bernd von Jutrczenka

Rechtsextremistische Webseiten öffentlich thematisieren

Rostock (dpa) - Im Internet herrscht weitgehende Meinungsfreiheit. Doch unwidersprochen sollten extremistische oder ausländerfeindliche Äußerungen nach Expertenmeinung nicht bleiben.

Experten bei der Bekämpfung von Rechtsextremismus warnen davor, extremistische oder ausländerfeindliche Äußerungen im Internet zu ignorieren. "Sie müssen öffentlich thematisiert werden", sagte Tim Bleis vom Hilfsverein für Opfer rechter Gewalt Lobbi-MV der Deutschen Presse-Agentur. Diese Botschaften könnten nicht totgeschwiegen werden. Erst mit einer öffentlichen Diskussion würden diese Thesen zurechtgerückt. Wer der Hetze argumentativ zum Beispiel mit eigenen Webseiten entgegentrete, könne die oft menschenverachtenden Meinungen entlarven. "Totschweigen funktioniert nicht", betonte Bleis.

Gleichzeitig könnten Seiten mit extremistischen Inhalten etwa bei den Betreibern von sozialen Netzwerken gemeldet werden. Wenn es genügend Beschwerden gibt, würden die Seiten überprüft und gegebenenfalls gesperrt. Auch unter www.jugendschutz.net könnten offen rassistische Seiten reklamiert werden. Bleis betonte aber, dass es wenig bringe, auf den betreffenden Internet-Seiten mit den Leuten zu diskutieren, die extremistische Thesen aufstellen. "So würde nur das Podium erweitert und die Seiten letztlich aufgewertet."

"Die Thesen der Extremisten sind Gift für den Zusammenhalt der Gesellschaft", sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Julian Barlen. Unbeachtet würden diese immer weiter einsickern. Dann stünde Aussagen etwa aus den Reihen von Pegida ("Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes") ohne Gegenrede da.

Im Internet könne auch beobachtet werden, dass Seiten, die nicht öffentlich als extremistisch ausgewiesen wurden, ebenfalls hohe Besucherzahlen aufweisen. Dies zeige, dass es keinen Vorteil bringt, nicht darauf zu reagieren, sagte Bleis. Zielgruppe dieser Seiten seien zwar in erster Linie bekennende Rechte. Sie zielten aber auch scheinbar unpolitische Menschen, die sonst mit rechten Aufmärschen in den Städten kaum zu erreichen sind.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

No-Name-Geräte: Welche lohnen sich wirklich?
Ein iPhone für 1000 Euro, eine Siemens-Waschmaschine für 1200 Euro – lohnt sich das wirklich? Wie gut sind die Alternativen der Billighersteller? Kann das englische …
No-Name-Geräte: Welche lohnen sich wirklich?
Nintendo-Konsole Switch im Test: Super Mario schick wie nie
München - Super Mario bekommt eine neue Heimat. Nachdem der Kult-Klempner zuletzt mit einer App auf dem iPhone fremdging, erscheint am 3. März die neue Nintendo-Konsole …
Nintendo-Konsole Switch im Test: Super Mario schick wie nie
Videoplattform Vine schließt am 17. Januar
Twitter schaltet seine Video-Plattform Vine ab. Die zugehörige Webseite wird dann in ein Archiv umgewandelt, neue Beiträge können nicht mehr veröffentlicht werden.
Videoplattform Vine schließt am 17. Januar
Virtueller Baukasten für Lego-Fans
Mit Lego lassen sich beeindruckende Dinge bauen. Das muss nicht unbedingt mit echten Bausteinen sein: Wer mag, kann auch virtuelle Lego-Meisterwerke erschaffen.
Virtueller Baukasten für Lego-Fans

Kommentare